Original paper

Über ein "Handbuch der analytischen Mineralchemie von Ad. Remelé"

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Herr Rammelsberg verlas hierauf folgende Erklärung: In den Verhandlungen der geologischen Reichsanstalt (Sitzung vom 24. Juli d. J.) berichtet Herr K. R. v. Hauer über ein "Handbuch der analytischen Mineralchemie von Ad. Remelé" und sagt von demselben, es finde sich darin das umfassende und bisher nur in zerstreuten Schriften vorhandene Material gesichtet und klar dargestellt; ferner der Verf. habe durch zahlreiche Originalzusätze den Werth des Buches wesentlich erhöht; endlich, das Werk stelle die moderne Umgestaltung der analytischen Chemie dar, während H. Rose's Handbuch eine bereits überholte Periode der Wissenschaft bezeichne. Wir müssen, so leid es uns thut, doch bekennen und öffentlich aussprechen, dass das vorstehende Urtheil in jeder Beziehung ein leichtfertiges und durchaus falsches genannt zu werden verdient; dennoch würden wir davon geschwiegen haben, wenn nicht H. Rose's Name in jenes Urtheil verflochten wäre. Der Verfasser des in Rede stehenden Handbuchs ist Rivot, Professor an der École des Mines, dessen Schüler, Herr Dr. Remelé, mit Zustimmung des Verfassers die deutsche Uebersetznng als seine erste literarische Arbeit herausgiebt. Es tritt der praktische Zweck, die Untersuchung von Mineralien und technischen Substanzen in den Vordergrund, und die Anleitung dazu ist für den Anfänger von grossem Werth, in dessen Interesse die Eigenschaften der Körper, die Darstellung und Prüfung der Reagentien ausführlich behandelt sind. Rivot hat, wie jeder Analytiker, manche ihm eigenthümliche Scheidungsmethoden; wir haben jedoch in Deutschland mehrfach bessere, und Herr Remelé, dessen Studien in Deutschland ihn vor französischer Einseitigkeit bewahrt haben, hat wohl gefühlt, dass er für deutsche Leser Manches zu ändern, Manches hinzuzufügen habe, wobei er freilich den Ansichten Rivot's oft entgegentreten musste. Durchaus falsch, unbegründet und unbegreiflich aber ist die Parallele zwischen Rivot's Werke und dem Traité complet des berühmten Schöpfers der neueren analytischen Chemie, welche Herr v. Hauer zieht. H. Rose's Werk ist ein klassisches, ein unvergängliches Denkmal des verewigten Meisters, für den Chemiker ein nothwendiges Instrument; es repräsentirt den jetzigen Standpunkt und Umfang der analytischen Chemie. Rivot's Werk ist ein werthvoller Leitfaden für den Studirenden, und sein Uebersetzer ist ein junger, kenntnissreicher Mann, dessen Bescheidenheit sicherlich fern davon ist, die Arbeit seines französischen Lehrers auf gleiche Stufe mit dem streng wissenschaftlichen Werke des grossen deutschen Chemikers zu stellen, dessen Vorträge zu hören er selbst noch das Glück hatte. Was Herr v. Hauer Originalzusätze nennt, sind grossentheils Berichtigungen von Fehlern in Rivot's Werk und Anführungen aus H. Rose's analytischer Chemie.