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Über eine eigenthümliche Onyxbildung

Remelé, Adolf Karl

Kurzfassung

Anstatt wie gewöhnlich an der Aussenseite der Stücke, d. h. an der Wandung eines Drusenraumes hat die Chalcedonablagerung in der Mitte begonnen; dem entsprechend bieten sich die während der späteren Phase der Kieselsäureabscheidung entstandenen Quarzkrystalle in der Weise dar, dass sie auf die äussere Oberfläche der cylinderförmig entwickelten Chalcedonmasse, welche aus concentrischen, bald fast wasserhellen, bald bläulichgrauen, bald weisslichen oder weissen Lagen besteht, aufgesetzt erscheinen. Die Spitzen der ziemlich grossen, mit deutlichen Endflächen versehenen Krystalle sind nach aussen gerichtet, während sie bekanntlich in den gewöhnlichen Onyxen, wo die Krystalle den inneren Raum einnehmen, dem Mittelpunkte sich zuwenden. Dass die krystallinisch dichte Kieselsäure, deren Bildung im Gegensatz zu der des Bergkrystalls und des Quarzes am besten durch eine rasche Krystallisation aus concentrirten Kieselsäurelösungen erklärt wird, von der Mitte aus sich abzusetzen begann, kann im vorliegenden Falle nicht wohl darin seinen Grund haben, dass die Umlagerung einer fingerförmigen Erhebung in der betreffenden Druse durch Chalcedonmasse stattfand, wie dies allerdings mitunter beobachtet wird; denn abgesehen davon, dass hier von einer solchen langgestreckten Erhebung unterliegenden Gesteines absolut nichts zu sehen ist, spricht dagegen schon die Configuration des ganzen Stückes, in welchem von einer mulden- oder kegelförmigen Disposition der successiven Chalcedonschichten, von denen die äusserste 6 Centimeter im Durchmesser hat, kein Anzeichen hervortritt. Genau durch die Mitte der concentrischen, unten und oben gleich weiten Ringe zieht sich aber, von einem Ende zum anderen und gewissermaassen als Axe ein fremdartiger Körper in Gestalt eines dünnen, runden und hohlen Stieles von 1 Mm. äusserem Durchmesser und matter gelblicher Farbe. Dem Aussehen nach zu urtheilen, ist dies ein Pflanzenstengel; eine nähere Untersuchung lässt sich ohne Zertrümmerung des Stückes nicht vornehmen. Dieser Stengel scheint die Veranlassung zu der von innen nach aussen fortschreitenden Bildung verschiedener Chalcedonhüllen gegeben zu haben. Nimmt man an, dass derselbe in einem Blasenraum des Muttergesteins hinunterragte, so stellt sich als das Wahrscheinlichste dar, dass die mit Kieselsäure beladenen Flüssigkeiten an ihm herabflossen und um ihn herum erst krystallinisch dichte Kieselsäure, zuletzt Quarzkrystalle absetzten. Während die Chalcedone ihrer lithologischen Entstehungsart gemäss insgemein als Mandeln zu betrachten sind, dürfte hier also eine grosse Tropfsteinbildung von Chalcedon, beziehungsweise Onyx vorliegen; womit der Umstand übereinstimmt, dass die genaueste Beobachtung keine Einspritzröhren in der Masse erkennen lässt. Die fragliche Stufe wurde zu Oldenburg erworben, ohne dass sich eine nähere Angabe über den Fundort erlangen liess. In der Färbung der einzelnen Chalcedonlagen zeigt sie viel Aehnlichkeit mit den Chalcedonen von Wieda am Harz.