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Über die Beziehungen zwischen der Zusammensetzung und der Schmelzbarkeit verschiedener Laven

Remelé, Adolf Karl

Kurzfassung

Herr Remelé machte, anknüpfend an die Bemerkungen des Herrn v. Seebach über die Beziehungen zwischen der Zusammensetzung und der Schmelzbarkeit verschiedener Laven darauf aufmerksam, dass bei Gruppen zusammengehörender, oder analoger Basen allerdings mitunter eine gewisse Gesetzmässigkeit in der Strengflüssigkeit sowie umgekehrt in der flussbefördernden Eigenschaft beobachtet wird. Vereinigt man die Alkalien und alkalischen Erden, und notirt man nach einander: Alkalien, Baryt, Strontian, Kalk, Magnesia, so entspricht diese Reihenfolge einerseits der Abnahme der basischen Energie und des Löslichkeitsgrades in Wasser, andererseits aber auch der Abnahme der Schmelzbarkeit und des flussbewirkenden Vermögens gegenüber der Kieselsäure. Unter den analog constituirten Silikaten dieser Basen ist in der That jedesmal das Magnesiasilikat das strengflüssigste, dann folgt das Kalksilikat und am leichtesten schmelzbar sind die alkalischen Silikate. Eine derartige Regelmässigkeit gilt aber nicht mehr, wenn man Repräsentanten wesentlich verschiedener Basen-Gruppen mit einander vergleicht, z. B. die alkalischen Erden mit Monoxyden der Erzmetalle. Was die Thonerde anbelangt, so ist dieselbe nichts weniger als ein flussbefördernder Körper; ihre Silikate gehören zu den am schwersten schmelzbaren, die es giebt, und nach Plattner wären sie sogar strengflüssiger als die analog constituirten Magnesiasilikate. Dass übrigens die alkalisch-erdigen und erdigen Silikate mit vorwaltender Basis im Allgemeinen eine grössere Strengflüssigkeit besitzen als die kieselsäurereicheren, hat sich nicht nur aus den älteren Versuchen Berthier's, Plattner's und Sefström's ergeben, sondern ist auch in neuerer Zeit speciell für die künstlichen und natürlichen Thonerdesilikate von C. Bischof dargethan worden. Die ziemlich verbreitete Ansicht, dass die Strengflüssigkeit kieselsaurer Verbindungen durch Quarzzusatz erhöht werde, beruht auf einem Irrthum; dies gilt bloss für die Temperaturen, bei welchen noch nicht alle freie Kieselsäure in das vorhandene Silikat eintreten, also chemisch gebunden werden kann, nicht aber für hinreichend darüber hinausgehende Hitzegrade. Schliesslich bemerkte der Redner, dass jede Beziehung zwischen Zusammensetzung und Schmelzpunkt aufhört, wenn die Complication der Mischung diejenige der doppelt-binären Verbindungen, d. b. der einfachen Silikate, überschreitet. Apriorische Schlüsse sind dann fast immer unstatthaft, und nur soviel lässt sich sagen, dass mehrbasische Silikate leichtflüssiger sind als die betreffenden einfachen Silikate, sowie dass die Temperatur, bei welcher ein Gemenge in Fluss kommt, stets niedriger ist als das Mittel aus den Schmelztemperaturen der einzelnen Gemengtheile. Dessenungeachtet dürfte man es für wahrscheinlich erklären können, dass unter den Laven die kieselsäureärmeren den höchsten Grad von Strengflüssigkeit zeigen.