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Ueber die Parallelisirung des norddeutschen, englischen und französischen Oligocäns.

Koenen, Adolf Von

Kurzfassung

Als Beyrich in seiner eben so gründlichen als scharfsinnigen Arbeit "über die Abgrenzung der oligocänen Tertiärzeit" (Abhandl. d. königl. Akad. d. Wiss. zu Berlin, 1858, S. 51) zwischen das Lyell'sche Eocän und Miocän noch das Oligocän einschob, hatte schon längere Zeit, besonders zwischen französischen Geologen, ein lebhafter Streit stattgefunden, wo die Grenze zwischen Eocän und Miocän zu ziehen sei. Dieser Streit war für sie um so schwerer zu entscheiden, als einerseits der ganzen Eintheilung die Procente noch lebender Mollusken in den einzelnen Schichten zu Grunde gelegt wurden, und weil andererseits die (allein hierzu brauchbare marine) Mollusken-Fauna jenes ehemaligen Ober-Eocäns und Unter-Miocäns, jetzigen Oligocäns, so gut wie ganz unbekannt war. Die Beyrich'sche Eintheilung, mehr auf die geographische Verbreitung der einzelnen Schichten basirt, war ausserdem aufgestellt ohne die Vorurtheile, welche wohl fast bei einem Jeden entstehen müssen, wenn er gewisse Schichten stets in einer besonderen Mächtigkeit, mit einem besonderen petrographischen Charakter oder mit einer besonderen Süsswasser- oder Land-Fauna entwickelt sieht, wie dies ja besonders in Frankreich, weniger in England der Fall ist. Wenn die Beyrich'sche Eintheilung nun verhältnissmässig lange in Frankreich und England unbekannt blieb, wenn manche fremden Geologen mit ihren Ansichten noch heute auf demselben Punkte verharren, den sie vor zehn Jahren einnahmen, so beruht dies theils darauf, dass die deutsche Literatur überhaupt in England und Frankreich wenig beachtet wird, theils darauf, dass auch jetzt noch von Vielen angenommen wird, dass sich im Tertiär irgendwo eine grosse, scharfe Grenze fände, die nur von wenigen oder von gar keinen Arten überschritten würde. Eine Widerlegung jener Annahme wird nun durch das Studium des norddeutschen und belgischen Oligocäns, dessen reiche marine Fauna freilich in der Literatur auch jetzt noch nur zum kleinsten Theile bekannt ist, vollständig geliefert, indem sich neben solchen Arten, die den einzelnen Oligocänschichten eigenthümlich sind, noch eine ziemliche Anzahl Arten findet, die entweder ans dem Eocän hierher heraufreichen oder von hier in das Miocän übergehen.