Original paper

Ueber einen Menschen-Schädel aus dem Süsswasserkalke von Greussen in Thüringen.

Schmid, E. E.

Kurzfassung

Der Fund, über den ich im Folgenden berichte, wurde schon vor geraumer Zeit gemacht; er gehört zu denen, welche gegenwärtig ein höheres und allgemeineres Interesse in Anspruch nehmen; gerade deshalb glaubte ich, ihn recht genau und ausführlich ermitteln zu müssen, und hoffte, das dazu Erforderliche bald zu erlangen; indem ich mich in der letzten Hoffnung täuschte, könnte mein Aufschub als Säumniss erscheinen. Der Fund betrifft einen Menschen-Schädel, welcher mit gleichem Recht als fossil bezeichnet werden kann, wie die Elephanten- und Rhinoceros-Reste, welche in demselben Gestein, nämlich im Süsswasserkalk, eingeschlossen sind. Der Fundort liegt in der nächsten Umgebung des thüringischen Städtchens Greussen. Eine Abbildung des Schädels halte ich vorläufig für entbehrlich neben dem competenten Urtheil meines anatomischen Collegen, des Herrn Professor Gegenbaue; dasselbe lautet folgendermaassen: "Das eine mir vorgelegte, grössere Bruchstück besteht aus dem Gesichtstheil des Schädels von einem erwachsenen Menschen. Vom Stirnbein ist der Orbitaltheil und der Nasentheil, sowie linkerseits ein Theil der Stirnregion erhalten; doch fehlt die äussere Glastafel fast ganz, so dass die Diploë blossliegt; auch entbehren die Frontal-Sinusse ihres vorderen Randes. Einige platte Knochenstücke, an denen fast ganz die äussere Lamella-compacta-Substanz fehlt, gehören zum Stirnbein; da jedoch nur an einem derselben und nur auf eine kurze Strecke ein Nahtrand vorhanden ist, die übrigen Begrenzungen aber Bruchränder sind und nicht an einander passen, so ist es unmöglich, über die Form der von diesen Knochen gebildeten Oberfläche des Schädels Bestimmtes zu äussern.