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Beiträge zur geologischen Kenntniss der Pyrenäen.

Zirkel, Ferdinand

Kurzfassung

Die Geschichte der geologischen Erforschung der Pyrenäen bis zum heutigen Tage lässt sich füglich in drei wohlcharakterisirte Zeitabschnitte bringen. Der erste dieser Abschnitte, den Schluss des vorigen und ungefähr die ersten zwanzig Jahre unseres Jahrhunderts umfassend, ist durch die Namen Ramond, Palassou und Charpentier gekennzeichnet. Ramond weihte zehn Jahre seines Lebens unausgesetzt, zehn andere mit Unterbrechungen dem Studium des Baues der Pyrenäen und ihrer Vergleichung mit den Alpen. Die allgemeine Feststellung der Vertheilung und gegenseitigen Lagerung der verschiedenen Gebirgsarten, der Erweis, dass die Hauptkette um den Mont Perdu, welchen er gewissermaassen zuerst wieder entdeckte und nach wahrhaft heroischen Anstrengungen zuerst bestieg, aus fossilführenden Schichten bestehe, sind die Hauptresultate, die er in anziehendster Darstellungsweise und getreu dem Geiste seiner Zeit in den "Observations faites dans les Pyrénées" (1789) und den "Voyages au Mont Perdu et dans la partie adjacente des Hautes-Pyrénées (Paris. 1801)" niederlegte. Der Abbé Palassou, ein ebenso bescheidener, als scharfsinniger und eifriger Forscher war Ramond's Zeitgenosse und Nachfolger; von ihm rühren der "Essai sur la minéralogie des Monts-Pyrénées" (1782) und die "Mémoires pour servir à l'histoire naturelle des Pyrénées et des pays adjacents (Pau. 1815)" her. Im Jahre 1823 erschien der "Essai sur la constitution géognostique des Pyrénées" von J. v. Charpentier, die Frucht unablässiger vierjähriger Wanderungen, ein Werk, welches für die Pyrenäen das geworden ist, was des unübertrefflichen Horaz Benedikt v. Saussure's Schriften für die Alpen sind, eine selbst in unseren Tagen, die gar Manches ganz anders deuten und auffassen, unversiegbare Quelle vielseitiger Belehrung. Die Treue der Beobachtung, die Schärfe und Klarheit der Darstellung sind bei diesem ausgezeichneten Schüler Werner's wahrhaft bewundernswerth. Die bedeutsamsten Fortschritte machte die Pyrenäengeologie durch die Untersuchungen, welche Dufrénoy behufs der : Herstellung der im Verein mit Élie de Beaumont herausgegebenen geologischen Karte von Frankreich in diesem Gebirge anstellte. Diese Forschungen, welche man als den zweiten Abschnitt bezeichnen kann, begannen im Jahre 1825.