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Über das Vorkommen und Alter der Kalksteine, welche im Grauwackengebirge des Harzes in der Gegend von Zorge und Wieda auftreten.

Beyrich, Heinrich Ernst

Kurzfassung

Ausser dem Laddekenberge oberhalb Wieda und dem Joachimskopf oberhalb Zorge, woher A. Roemer einige Versteinerungen aus diesen Kalken beschrieben hat, zeigen sich dieselben noch zerstreut an verschiedenen anderen Stellen in den benannten Thalgebieten, namentlich versteinerungsführend am Radebeil nordöstlich von Wieda und am Mittelberge bei Zorge. Theils durch eigene Sammlungen, theils durch Mittheilungen des Herrn Dr. Schilling steht dem Vortragenden schon gegenwärtig eine mehr als doppelt so grosse Zahl von Formen als die von Roemer gekannten für die Beurtheilung der Beziehungen dieser Kalksteine zu anderen Schichten des Harzes zu Gebot; insbesondere hat sich die Fauna durch Auffindung einer grossen Zahl von Brachiopoden und Gastropoden, unter letzteren 5 oder 6 Capulus-Arten, erheblich erweitert. A. Roemer sprach auf Grund der von ihm beobachteten Versteinerungen zuletzt im 5. Hefte seiner Beitrüge von 1866 die Meinung aus, dass die fraglichen Kalke, mit welchem die in der Gegend von Hasselfelde auftretenden Kalksteine zweifellos gleichaltrig sind, von den für silurisch gehaltenen Kalksteinen des östlichen Harzes bei Mägdesprung und Harzgerode, sowie von denen des nördlichen Harzes bei Ilsenburg zu unterscheiden seien und einem jüngeren devonischen Schichtensysteme zugerechnet werden müssen; er stellt sie als- "Wissenbacher Kalke" in gleiches Niveau mit den von ihm sogenannten "Wissenbacher Schiefern" des Harzes, welche seiner Meinung nach ihre Stellung zwischen den mitteldevonischen Schichten mit Calceola sandalina und Stringocephalus Burtini einnehmen. Seine Ansicht stützt sich hauptsächlich auf das Vorkommen von Goniatiten, welche in den Kalksteinen des östlichen Harzes noch nicht aufgefunden sind, während ihm Formen, die letzteren Kalksteinen eigenthümlich angehören, aus demjenigen von Wieda und Zorge nicht bekannt wurden. Gegen diese Deutung sprechen aber durch- aus die neu aufgefundenen, mit solchen von Harzgerode und Ilsenburg zum Theil identen Brachiopoden-Formen und namentlich auch die ausserordentlich ähnlichen, wenn nicht identen Capulus-Arten vom Joachimskopf, welche zu den besonders auszeichnenden Gestalten in der Fauna der Kalksteine von Harzgerode und Mägdesprung gehören.