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Eine Reihe mariner Conchylien aus dem Diluvium

Beyrich, Heinrich Ernst

Kurzfassung

Herr Beyrich legte eine Reihe mariner Conchylien aus dem Diluvium vor, welche von Herrn Apotheker Eichholtz in Meve wahrscheinlich an derselben Stelle gesammelt wurden, von welcher die von Herrn Berendt in den Schriften der Königsberger physikalischen Gesellschaft (Auszug in dieser Zeitschrift, Bd. XVIII, S. 174) erwähnten marinen Diluvialconchylien: Cardium edule L., Tellina solidula Lam., Venus sp. (ähnlich der pullastra Mont.), Buccinum reticulatum L. und Cerithium lima Brug. herstammen. Ausser den genannten Formen liegen in der neuen Sendung noch vor Cyprina islandica und Paludina diluviana Kunth. Was die bisher nur in Fragmenten aufgefundenen Venusschalen betrifft, so weisen dieselben durch die Sculptur auf zwei norwegische Arten hin, nämlich auf die pullastra Mont. und die virago Lovén; beide verbreiten sich von den norwegischen Küsten aus ziemlich weit nach Süden hin, und es ist möglich, dass in den Diluvial-Ablagerungen Westpreussens beide Arten vertreten sind. Von besonderem Interesse ist das gleichzeitige Vorkommen der Paludina diluviana, welche bisher nur aus den Diluvial-Ablagerungen zwischen der Elbe und Oder in Gemeinschaft mit anderen Süsswasserconchylien aufgefunden worden war; marine Conchylien sind bis jetzt in letzteren noch an keiner Stelle gefunden worden, da auch die von Herrn Kunth in dieser Zeitschrift, Bd. XVII, S. 331, erwähnte Mactra nach der Ansicht des Redners richtiger als auf secundärer Lagerstätte befindlich und aus dem Holsteiner Gestein der Tertiärformation herstammend zu betrachten ist. Eine Erklärung des gemeinschaftlichen Vorkommens der Paludina diluviana mit den marinen Conchylien in Westpreussen läset sich erst aus weiteren Untersuchungen der Diluvial-Ablagerungen zwischen der Oder und Weichsel erwarten, bei denen der untere Geschiebelehm (untere Sandmergel Berendt's) als diejenige Schicht, an deren Basis, wie es scheint, bisher alle Conchylien aufgefunden worden sind, vorzugsweise in's Auge zu fassen sein wird.