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Neuere Beobachtungen über die Gliederung des Keupers und der ihn zunächst überlagernden Abtheilung der Juraformation in Oberschlesien und in den angrenzenden Theilen von Polen.

Roemer, Ferdinand

Kurzfassung

In zwei früheren Aufsätzen habe ich den Nachweis zu führen gesucht, dass gewisse in Oberschlesien und den angrenzenden Theilen von Polen über ausgedehnte Flächenräume verbreitete Ablagerungen, welche bis dahin allgemein der Jura-Formation zugerechnet wurden, in Wirklichkeit der Keuper-Bildung angehören. Seitdem haben die speciellen Aufnahmen, welche in den betreffenden Gegenden zum Zweck der Herstellung der geognostischen Karte von Oberschlesien ausgeführt wurden, eine nicht unbedeutende Anzahl neuer Thatsachen festgestellt, durch welche die schon gewonnene Kenntniss jener Ablagerungen eine nicht unwichtige weitere Aufklärung erhält. Der Gewinn der in den beiden früheren Aufsätzen mitgetheilten Beobachtungen bestand vorzugsweise darin, dass sowohl i die braunrothen und bunten Thone mit Einlagerungen von weissen Kalksteinschichten, welche den von Woischnik bis über Lublinitz hinaus sich erstreckenden Höhenzug zusammensetzen und auch in den Ebenen auf beiden Seiten dieses Höhenzuges eine weite Verbreitung besitzen, und auch die röthlichen und grauen Thone und Mergel mit Sphärosiderit-Nieren in der Gegend zwischen Landsberg und Kreuzburg als dem Keuper angehörig erkannt wurden. Alle früheren Beobachter hatten, lediglich durch eine äussere Aehnlichkeit verleitet, den Kalkstein von Woischnik und Lublinitz für weissen Jura und zwar für eine Abzweigung des benachbarten polnischen Jura-Zuges zwischen Krakau und Czenstochau angesehen. Da nun der Kalkstein ferner als den braunrothen und bunten Letten für aufgelagert galt, während er in Wirklichkeit denselben eingelagert ist, so entstand daraus der weitere Irrthum, dass die braunrothen Letten als mitteljurassisch gedeutet wurden. Für mitteljurassisch galten ferner die eisensteinführenden, röthlichen und grauen Letten, welche durch die Eisensteingruben zwischen Kreuzburg und Landsberg aufgeschlossen sind, indem man sie wegen der Gemeinsamkeit des Eisenstein-Vorkommens und wegen der benachbarten Lage für zusammengehörig mit der durch zahlreiche marine Conchylien als unzweifelhaft mitteljurassisch bezeichneten, thonigen Ablagerung von Bodzanowitz, Wichrow und Sternalitz hielt. Durch die Beseitigung dieser irrigen Altersdeutungen, wie sie in den früheren beiden Aufsätzen unternommen wurde, war nun aber die wissenschaftliche Aufgabe in Betreff der fraglichen Ablagerungen noch keinesweges als gelöst zu betrachten. Es war vielmehr einerseits noch die bisher fast nur aus den Lagerungsverhältnissen und aus dem petrographischen Verhalten gefolgerte Zugehörigkeit derselben zum Keuper auch durch zahlreichere paläontologische Beweismittel näher zu begründen, und andererseits war der Nachweis zu führen, durch welche Schichten ein Uebergang aus dem Keuper in die überlagernden mitteljurassischen Schichten von Bodzanowitz, Wichrow und Sternalitz vermittelt werde, und ob etwa der bis dahin durchaus vermisste Lias in irgend einer Weise vertreten sei. In beiden Beziehungen haben die Untersuchungen der letzten beiden Jahre neue Aufschlüsse gewährt.