Original paper

Ueber Sodalith-, Nephelin-Laven u. s. w.

Fuchs, C. W.

Kurzfassung

In meiner Abhandlung über die Laven des Vesuvs u. s. w. hat Einiges in der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft durch G. von Rath Widerspruch erlitten. Da dieser Widerspruch von einem so kenntnissreichen und genauen Forscher ausgeht, so möchte ich diesmal eine Entgegnung folgen lassen, um wo möglich eine Verständigung zu erzielen. G. vom Rath verwirft die Benennung "Nephelinlava", "Anorthitlava", "Haüynlava" u. s. w., die ich als etwas Bekanntes in jener Arbeit voraussetzte. Ich war dazu berechtigt, da ich schon in meinen "Vulkanischen Erscheinungen der Erde" diese Bezeichnung bei der Beschreibung der Laven anwandte, dieselbe Bezeichnung aber auch in anderen Büchern in ähnlichem Sinne angewandt finde. Ich nenne aus der Zahl dieser Bücher die Lithologie von Blum (S. 206 und 207) und die Petrographie von F. Zirkel (II, S. 266). Es schien mir bei Bearbeitung der "Vulkanischen Erscheinungen" zweckmässig, die Laven nach dem wesentlichen Auftreten des Augites oder seiner Unterordnung in der Masse in die zwei grossen Gruppen der augitreichen und augitarmen Laven einzutheilen. Die letzteren haben im Allgemeinen trachytischen Charakter, die anderen basaltischen oder doleritischen. Die augitischen oder Basalt-Laven scheinen viel wechselnder in ihrer mineralogischen Zusammensetzung zu sein, wie die Trachyt-Laven. Hauptsächlich schwankt die Menge des Labradors in der Gesteinsmasse, und an seiner Stelle treten andere Mineralien auf, zunächst auch Feldspatharten, wie der Anorthit, dann aber auch Sodalith, Nephelin, Nosean, Leucit u. s. w. und in geringerer Menge auch Haüyn. Dabei bleibt der basaltische Charakter der Gesammtmasse um so deutlicher, je geringer die Menge dieser Mineralien und je grösser noch der Gehalt an Labrador ist; denn der Regel nach wird der letztere nicht gänzlich verdrängt. Um solche Laven kurz bezeichnen zu können, ist man wohl berechtigt, dieselben nach demjenigen Minerale zu benennen, welches gerade ihre Eigenthümlichkeit ausmacht und den Labrador theilweise oder auch ganz ersetzt. Ein grösserer Werth soll auf die Namen: "Sodalithlava", "Anorthitlava", "Nephelinlava" u. s. w. nicht gelegt werden. Der Kern der Differenz liegt aber offenbar darin, ob die genannten Mineralien nur als Krystalle in den Drusen der Laven vorkommen oder auch der feinkörnigen Grundmasse beigemengt sind.