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Über die merkwürdigen Resultate, die Herr Prof. Reusch in Tübingen bei seinen Versuchen über die Pressung des Kalkspaths zwischen zwei parallelen Flächen erhalten hatte

Rose, Gustav

Kurzfassung

Herr G. Rose berichtete über die merkwürdigen Resultate, die Herr Prof. Reusch in Tübingen bei seinen Versuchen über die Pressung des Kalkspaths zwischen zwei parallelen Flächen erhalten hatte, mit Vorlegung von Präparaten, die ihm theils Prof. Reusch geschickt, theils er selbst dargestellt hatte. Prof. Reusch hatte seine Versuche mit dem isländischen Doppelspath angestellt und hatte durch das Pressen in demselben förmliche Zwillingslamellen hervorgebracht, die parallel den Flächen des ersten stumpferen Rhomboëders gehen, wie dergleichen Zwillingslamellen nicht bloss bei dem isländischen Doppelspath, sondern bei jedem Kalkspath häufig vorkommen. Die Zwillingslamellen gehen hierbei meistentheils nur nach einer Fläche des ersten stumpferen Rhomboëders, nicht selten aber auch zu gleicher Zeit nach zweien oder selbst nach allen dreien. Feilt man an den rhomboëdrischen Bruchstücken, die man beim Zerschlagen des isländischen Doppelspaths oder jedes anderen durchsichtigen Kalkspaths erhält, zwei parallele Seitenecken so ab, dass dadurch zwei parallele Flächen entstehen, die gegen zwei Spaltungsflächen des Kalkspaths senkrecht geneigt sind, und man so ein rhombisches Prisma von 105 Grad 5 Minuten mit gerade angesetzten Endflächen erhält, presst man dann den Kalkspath auf diesen Flächen mit einer Schraubenpresse langsam zusammen, so sieht man mit einem Male im Inneren des Kalkspaths eine oder mehrere Flächen aufblitzen, welche je nach Umständen den ganzen Krystall oder nur einen Theil desselben durchsetzen. Dies Aufblitzen wird durch die plötzlich entstandenen Zwillingslamellen hervorgebracht. Dieselben gehen in diesem Fall gewöhnlich einer oder beiden Flächen des ersten stumpferen Rhomboëders parallel, die einer oder beiden abgefeilten Seitenkanten des Hauptrhomboëders parallel sind.