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Die Auswürflinge des Laacher-Sees.

Wolf, Theodor

Kurzfassung

Wenn sich der Geologe dem Laacher-See, dem Centrum eines ausgedehnten Vulkangebietes, nähert, so richtet er mit Staunen seinen Blick von den Schlackenbergen und verhältnissmässig kleinen Vulkanen dieser Gegend auf die ausgebreiteten und mächtigen Tuffablagerungen, welche sie in so grosser Mannichfaltigkeit bedecken. Gar manche Frage stellt er sich über Bildung und Herkunft dieses ungeheuren Materials, ohne sich zur Zeit genügende Antwort geben zu können. Bald wird aber seine Aufmerksamkeit auf Einzelnheiten gelenkt, und er bückt sich besonders nach den sogenannten Auswürflingen, welche auch Lesesteine oder vulkanische Bomben genannt werden, und die ihm der oberste schwarze Bimssteintuff in grösster Menge bietet. Diese Auswürflinge, für den Geologen wie für den Mineralogen gleich beachtenswerth, gehören noch immer zu den räthselhaftesten Phänomenen, welchen wir am Laacher-See begegnen. Mit Ausnahme der Umgebung des Vesuv möchte keine vulkanische Gegend diese Erscheinung in so grossem Maassstab aufzuweisen haben, wie gerade der Laacher-See. Es kann daher nicht auffallen, dass diese Auswürflinge von jeher das Interesse der deutschen Geologen und Mineralogen auf sich zogen, dass sie wiederholt Material zu grösseren und kleineren Abhandlungen lieferten. Wenn ich es nun unternehme, den Stoff von Neuem aufzugreifen, so könnte dies als eine sehr unnütze und undankbare Arbeit erscheinen, besonders da noch vor kurzer Zeit Laspeyres in seinen "Beiträgen zur Kenntniss der vulkanischen Gesteine des Niederrheins" diese Gebilde besprochen hat. Allein, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, haben die bisherigen Arbeiten den Stoff bei Weitem nicht erschöpft. Es waren grossentheils einfache Aufzählungen der Mineralien in den Auswürflingen oder nur fragmentarische Notizen über Zusammensetzung und Entstehung dieser Gesteine. Die Unvollständigkeit dieser Arbeiten erklärt sich leicht aus dem Umstand, dass die meisten Mineralogen und Geologen die Auswürflinge nur auf kurzen Excursionen in die einsame Gegend des Laacher-Sees oder gar nur aus Sammlungen kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Ein mehrjähriger Aufenthalt am Laacher-See setzte mich in Stand, durch tägliche Beobachtung in natura diese Gesteine etwas genauer kennen zu lernen und in einer bedeutenden Sammlung das Material zu eingehenderen Studien anzuhäufen. Der Zweck vorliegender Arbeit ist nun, in einer zusammenhängenden mineralogischen und petrographischen Beschreibung der Auswürflinge des Laacher-Sees mit dem schon vorhandenen und bekannten Stoff die neuen Entdeckungen und Beobachtungen zu verbinden und zu versuchen, daraus Schlüsse auf die Bildungsweise dieser Gesteine herzuleiten. Es wird zweckmässig sein, zuerst eine ganz kurze Uebersicht der früheren Arbeiten über die Laacher Auswürflinge zu geben.