Original paper

Ueber das Vorkommen tertiärer Meeres-Conchylien bei Buttstädt in Thüringen.

Schmid, E. E.

Kurzfassung

Seit geraumer Zeit haben sich in dem bei der Windmühle von Essleben gegrabenen Sande fremdartige Schnecken- und Muschelschalen gefunden und das Interesse der Umwohner angeregt, ohne jedoch wissenschaftlich beachtet zu werden. Im Herbste 1865 wurde ich mit diesem Vorkommen bekannt und trug Sorge für dessen Bergung. Wenn ich aber auch annehmen darf, Alles erhalten zu haben, was während der letzten zwei Jahre beim Ausschaufeln und Durchwerfen des Sandes zusammengelesen wurde, so gehört dies bei dem schwachen Betriebe der Gruben doch nur einem massigen Volumen an. Die Reichlichkeit und Mannichfaltigkeit der organischen Einschlüsse des Sandes ist demnach gewiss nicht als eine geringe zu bezeichnen. Die Windmühle von Essleben liegt eine halbe Meile nördlich von Buttstädt, also 2 1/2 Meile nördlich von Weimar, auf der flachen Kuppe eines Hügels, dessen Höhe nach den Angaben des königl. preuss. Generalstabs (620 Dec. - Fuss) 744 rh. Fuss über dem Meeresspiegel und 234 Fuss über der Aue der Lossa bei Guthmannshausen beträgt. Obgleich die Kuppe den Wasserabfluss östlich zur Ilm bei Sulza und westlich durch die Lossa zur Unstrut scheidet, so beherrscht sie doch nur die allernächste Umgebung, indem sie mit einer Mehrzahl benachbarter Kuppen und Rücken in das gleiche Niveau tritt und noch um 250 Fuss unter der Hochfläche der Finne zurückbleibt. Die Oberfläche der Kuppe ist von lehmigem Boden eingenommen, unter dem sich jedoch in sehr geringer Tiefe ein Sandlager ausbreitet. Die Sandablagerung ist nur in zwei Gruben zu beiden Seiten des Fahrwegs, der von Essleben nach Teutleben führt, und nicht bis zu 10 Fuss Tiefe aufgeschlossen; doch kann ihre Mächtigkeit recht wohl 15 Fuss betragen; ihre Ausdehnung mag einen ovalen Raum einnehmen von etwa 400 Schritt grösstem und 150 Schritt kleinstem Durchmesser. Sie ist den Gesteinen der Lettenkohlen-Gruppe aufgelagert. Der Sand selbst besteht aus losen Quarzkörnchen von der in den obersten Lagen der Braunkohlen-Gruppe gewöhnlichen Beschaffenheit, d. h. abgerundet und mittelfein, weiss bis gelblich. Geschiebe von Feuerstein, Porphyr, Quarz und Kieselschiefer finden sich darin weder gross, noch häufig; sie sind sämmtlich stark abgerieben. Noch seltener als diese Geschiebe sind Mergelknollen und Braunkohlenbrocken. Organische Ueberreste sind häufig und zwar sehr vorwaltend calcinirte Schalen und Schalentrümmer tertiärer Meeres-Conchylien, sehr untergeordnet abgeriebene Kreideversteinerungen, namentlich Bruchstücke von Belemnitella mucronata, von Echinidenstacheln und Crinoideenstielen. Die Tertiär-Conchylien stellen sich zu folgenden Arten: [...]