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Krystalle in den Granitbrüchen bei Streigau

Becker, E.

Kurzfassung

Auf einer geognostischen Excursion, die ich am 4. d. Mts. in Gesellschaft des Herrn Websky nach den Granitbrüchen bei Striegau unternahm, hatte ich das Glück, in dem Urbanschen Bruche, der zwischen Pilgramshain und Striegau ungefähr 1/2 Stunde von der Stadt entfernt gelegen ist, Beryll zu finden. Derselbe kam in einer Höhlung des Granits vor, deren Wände ausserdem mit Epidot, Quarz- und Feldspathkrystallen ausgekleidet waren. Um den Beryll, der weingelb gefärbt ist, hatte sich, ihn umhüllend, Desmin gelagert. Beim Ablösen des Desmins von seiner Unterlage brechen auch die Berylle ab, so dass die Endigung mit der Basis im Desmin steckt, die Bruchflächen dagegen sich an der Oberfläche zeigen. Die meisten Berylle wurden bei dem Auswaschen des Grandes gefunden, der bei dem Oeffnen der Höhlung herausgefallen war. Die Krystalle sind durchschnittlich 5-6 Mm. lang und 2-3 Mm. dick; die grössten sind ungefähr von doppelter Länge und Dicke und befinden sich an einem von Herrn Websky dem hiesigen mineralogischen Museum geschenkten Stücke. Die Krystallform anlangend, so erinnert sie an das Vorkommen von Elba; es herrschen die Basis P-(a: a: a:c) und die erste Säule M = (a:a:a:c); beide Formen zeigen glänzend glatte Flächen. Die dreiflächigen Ecken sind durch 2 matte Dihexaëder zweiter Ordnung abgestumpft. Die Messungen, welche Herr Websky auf einem beweglichen Mikroskoptische mit Anwendung eines Fadenkreuzes anstellte, ergaben den Winkel zwischen P und dem spitzeren Dihexaëder a:P/a = 144 Grad 30 Minuten und den Winkel zwischen P und dem stumpferen Dihexaëder a':P/a' = 163 Grad 50 Minuten. Hieraus ergiebt sich bei Zugrundelegung der Kokscharowschen Axen: c: a = 0,498860 :1, für a die Hauptaxe = 1,4298 oder = 7/5, für a' die Hauptaxe = 0,58111 oder = 3/5. Ich fand, indem ich am Reflexionsgoniometer das Auftreten des Lichtschimmers zunächst der Kante maass, P/a = 144 Grad 2 Minuten, wonach die Hauptaxe in der Entfernung 1,455 geschnitten würde. Es weist aber eine Vergleichung der beiden Hauptaxenschnitte darauf hin, dass wohl a 7/5 c zur Hauptaxe habe. Demnach ist a = (2a:a:2a:7/5c) und a' = (2a:a:2a:3/5c). Das Dihexaëder a findet sich in Des Cloiseaux, manuel de minéralogie, I, p. 364 aufgeführt, und zwar ist daselbst P/a = 144 Grad 31 Minuten angegeben, a' dagegen ist neu. Ausserdem tritt noch an einem mir gehörigen Krystalle die zweite Säule n = (2a : a : 2a : c) als glänzend glatte, wenn zwar schmale Abstumpfung der Kanten von M auf.