Original paper

Mikroskopische Untersuchungen über die glasigen und halbglasigen Gesteine.

Zirkel, Ferdinand

Kurzfassung

Die glasigen und halbglasigen Gesteine, Produkte einer, wie man annimmt, verhältnissmässig rasch erfolgten Erstarrung geschmolzener Massen, sind Gebilde, deren mikroskopische Structur neben dem Studium derjenigen der krystallinischen Felsarten nicht vernachlässigt zu werden verdient. Abgesehen davon, dass sie an sich schon der Erforschung werth und bedürftig erscheint, ist auch die Vergleichung derselben mit derjenigen der künstlichen Gläser nicht ohne Bedeutung, und ihre genaue Kenntniss vermag sowohl Anhaltspunkte zu geben, wie man mancherlei Erscheinungen, welche die Mikrostructur der krystallinischen Gesteine darbietet, deuten soll, als auch mitunter selbst den Weg zu weisen in der schwierigen Frage nach der Entstehungsweise der letzteren. Zu diesen Gesteinen, welche im Folgenden betrachtet werden sollen, gehören Obsidian, Bimsstein, Perlit, trachytische, und felsitische Pechsteine, Sphärolithfels. Im Ganzen habe' ich von 63 verschiedenen Vorkommnissen dieser Gesteine Dünnschliffe zur mikroskopischen Untersuchung präparirt, welche somit voraussichtlich wenigstens die Haupttypen der bei denselben vorhandenen Structur- und Zusammensetzungsverhältnisse zur Anschauung gebracht haben. Diese Gebilde lassen sich I verhältnissmässig ziemlich leicht und zu ausserordentlich dünnen hautähnlichen Blättchen schleifen und wegen der grossen Pellucidität, welche die meisten derselben gewinnen, eignen, sie sich besonders gut zu mikroskopischen Studien. Im Allgemeinen ist die Mikrostructur dieser sämmtlichen Gesteine eine ziemlich ähnliche, wenigstens sind die einzelnen Vorkommnisse in dieser Beziehung durch fortlaufende Uebergänge mit einander verbunden, wenn auch auf den ersten Blick manche einander entfernter stehende Glieder bedeutende gegenseitige Verschiedenheit aufweisen.