Original paper

Ueber die Terrassen in Norwegen und deren Bedeutung für eine Zeitberechnung bis zur Eiszeit zurück.

Kjerulf, Th.

Kurzfassung

Wenn man durch die Thäler Norwegens emporsteigt, so wird die Aufmerksamkeit des Wanderers durch gewisse eigenthümliche Terrassen in Anspruch genommen. Die in den Felsenkörper eingewaschene Thalsohle nämlich, die mit Thon, Sand, Grus und Steinen erfüllt ist, bildet nicht eine schiefe Ebene vom oberen Anfang des Thales bis zu seiner Mündung in's Meer, sondern sie erhebt sich in Stufen. Wenn man nicht gerade dem Rinnsal, welches der Bach auswäscht, folgt, sondern wenn man auf dem angeschwemmten Thalboden hinaufwandert, so kommt man plötzlich einen Steilhang hinan, von einer tiefer gelegenen zu einer höheren Ebene. Auf dieser bleibt der Wanderer ein Stück Weges, um dann wieder eine Stufe höher zu kommen u. s. w. Diese Ebenen mit scheinbar horizontaler, in Wirklichkeit etwas geneigter Oberfläche und mit einem bedeutenden Absturz (30° gegen den Horizont) gegen die Thalmündung bezeichnen wir mit dem Worte Terrassen. Es liegt nahe anzunehmen, dass eine ehemals mit der Terrasse gleich hochstehende Wasserfläche die Bildung der Terrassen bewirkt habe. Will man nun das Meer als Ursache aller Terrassen von der obersten bis zur untersten annehmen, so muss man in allen Terrassen Seewasserfossilien nachweisen und zugleich eine gleichmässige Bildung an allen diesen Stufen zeigen. - Indessen kennt man fossile Seethiere nur bis 500 600 Meereshöhe, und auch die Bildung des Thalbodens wird an diesem Punkte deutlich eine andere, wie man das auf einer geologischen Karte sehen kann. So oft man "Muschelmergel" aus höherem Niveau gebracht hat, so oft erwiesen sich die Muscheln als Süsswasserbewohner, und für höher gelegene Seethiere ist niemals ein Gewährsmann aufgetreten.