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Über die chemische Constitution und die Krystallform des Chrysoberylls.

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

Betrachtet man, was jetzt so gut wie gewiss erscheint, das Beryllium als zweiwerthiges Element und berechnet danach die Formel des Chrysoberylls, indem man zugleich die kleinen Mengen Eisenoxydul und Chromoxyd der Analysen, ersteres in sein Aequivalent Beryllerde, letzteres in sein Aequivalent Thonerde verwandelt, so ergiebt sich, dass das Mineral ein Atom Beryllium auf ein Doppelatom Aluminium enthält. Danach ist also die allgemeine Formel des Chrysoberylls RII RVI O4, worin RII - Be, Fe, RVI = Al, Cr. Es giebt noch drei andere rhombisch krystallisirende Mineralien von der allgemeinen Formel RII RVI O4, nämlich Göthit, Manganit und Diaspor, mit den speciellen Formeln H2 Fe O4, H2 Mn O4 und H2 Al O4. Vergleicht man nun die Krystallform des Chrysoberylls mit derjenigen der drei letztgenannten, wie bekannt, isomorphen Mineralien, so zeigt sich, dass die vier Mineralien wie in chemischer, so auch in krystallographischer Beziehung eng verbunden sind. Unter den Flächen der bei allen vier Mineralien sehr entwickelten verticalen Prismenzone herrscht bei dreien ein Prisma von ca. 130" vor, dessen scharfe Kante durch einen blätterigen (der Axenebene a/c parallel gehenden) Bruch abgestumpft wird, der einzigen deutlichen Spaltbarkeit dieser Mineralien. Das für die Zwillingsbildung wichtige Längsprisma (b:c:a) beim Chrysoberyll bildet in der Axe c 119° 46', ein analoges Prisma beim Göthit 117° 30'. Geht man von den bezeichneten verticalen und Längs-Prismen aus, so ergiebt sich als Axenverhältniss: a : b : c Chrysoberyll 0,810 : 1,709 : 1 Göthit 0,757 : 1,648 : 1 Somit wäre also der isomorphen Gruppe des Göthit, Manganit, Diaspor als viertes Glied der Chrysoberyll zuzufügen, eine Isomorphie, die, falls es dessen noch bedarf, einen neuen Beweis für die Zweiwerthigkeit des Berylliums liefert, da dasselbe, wie aus den obigen Formeln ersichtlich, zwei Atomen Wasserstoff der drei anderen Mineralien entspricht. Schliesslich weist der Vortragende auf die ausser der eben besprochenen rhombischen existirende zweite, aber regulär krystallisirende Gruppe von Mineralien hin, deren Constitution der allgemeinen Formel RII RVI O4 entspricht. Ihr gehören Spinell, Magneteisen, Chromeisen und andere seltnere Verbindungen au, Mineralien die, wie ihre Zwillinge hinlänglich darthun, gleichfalls eine isomorphe Gruppe bilden. Sonach wäre die Atomgruppe RII RVI O4 dimorph, einmal rhombisch (Göthitgruppe), dann regulär (Spinellgruppe).