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Lepidodendreen-Reste aus Grauwackeneinlagerungen des vordevonischen hercynischen Schiefergebirges

Lossen, Karl Aug.

Kurzfassung

Sie stammen aus dem Lindenberger Steinbruche gegenüber Strassberg an der Selke und aus einem Bruche von Wolfsberg. Die Ansicht F. A. Roemer's, der auf Grund dieser Pflanzenreste jene Grauwacken für Kulmgrauwacke (Flötzleeren Sandstein) ansprach, widerlegt sich durch die getreue Beobachtung der Lagerungsverhältnisse. Während die Roemer'sche Colorirung der kleinen Karte Prediger's von Lindenberg-Strassberg bis nach Wolfsberg eine schmal fortstreichende Zone von Kulmgrauwacke angiebt, verläuft die Streichlinie des Schiefergebirges nahezu unter einem rechten Winkel gegen diese Zone, welche zwei Grauwackenlager verbindet; die um zwei Stunden Abstand vom Liegenden zum Hangenden im Thonschiefer auseinanderliegen. Beide Vorkommen gehören dem "liegenden Thonschiefersystem" an, welches neben jenen Grauwackeneinlagerungen in seinen Kalkeinlagerungen die Fauna der obersten silurischen Etagen F G Barrande's birgt. Das Strassberger Grauwackenlager liegt noch im Liegenden der Kalke vom Schneckenberg und Scheerenstieg bei Harzgerode und Mägdesprung (2 b.), in deren Hangendem erst die Graptolithenschiefer auftreten, überlagert von der Hauptquarzitzone (2 c). Das Wolfsberger Grauwackenlager tritt erst im Hangenden des Hauptquarzits auf und gehört zu der flaserig-schieferigen Grauwacke, welche jenen oberen Theil der liegenden Schiefer (2 d.) auszeichnet. Ferner legte der Vortragende die Ventralklappe einer 2 Zoll von der Stirn bis zum Schnabel messenden Meganteris aus dem Kalksteinbruche des Schneckenberges bei Harzgerode vor. Meganteris (Suess), ein Vorläufer des jüngeren Subgenus Waldheimia der Gattung Terebratula, ist in Europa bis jetzt nur aus dem Unterdevon (zumal der Eifel und Spaniens) durch die von de Verneuil als Terebratula Archiaci beschriebene Species vertreten. Eine specifische Bestimmung erlaubt der vereinzelte Fund bei Harzgerode nicht; indem er aber die Altersgrenze des Genus Meganteris unter das Devon hinabrückt in jene Schichten, welche den Uebergang des Silur nach dem Devon vermitteln, lehrt er den ältesten Repräsentanten der Familie der Terebratuliden in Europa kennen, während in Amerika die Subgattung Rensselaeria (Hall) (Meganteris sehr verwandt und in Europa mit ihr zugleich im Unterdevon durch die Species Rensselaeria stringiceps F. Roemer vertreten) in den obersilurischen Schichten die gleiche Rolle trägt.