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Ueber die Ausbrüche des Aetna im November und December 1868.

Grassi, Mar.

Kurzfassung

Am 5. September 1868 stiegen aus dem Krater des Aetna Flammenstreifen auf, und es fand ein heftiger Erdstoss statt, Vorläufer der grossen Explosion. Am 26. November 1868 erhob sich eine grosse Rauchpinie aus dem Aetna; in der Morgendämmerung am 27. furchte ein ungeheures Meteor den Himmel von Ost nach West und barst endlich mit starker Detonation in 6 leuchtende Bruchstücke. Als es dann Nacht wurde, hatte der Krater eine wunderbare, grossartige Explosion. Ihr ging nicht, wie gewöhnlich, Donner voraus, nur ein dumpfer metallischer Krach begleitete sie. Eine immense Feuersäule erhob sich bei der Windstille zu ausserordentlich grosser Höhe und schleuderte aus ihrer Spitze und ihren Seiten einen Regen glühender Gesteinstrümmer, die zum Theil in den grossen Krater zurück-, zum Theil auf die Schneemassen des Gipfels fielen. Die Feuersäule, welche ganz Sicilien erleuchtete, erreichte zur Zeit ihrer grössten Höhe fast 2000 Meter. Ringsum kräuselten sich schwärzliche Wolken von Rauch, Schlacken und Sand; sie bildeten schliesslich über der Feuersäule und dem Aetna ein ungeheures Zeltdach, aus dem fortwährend leuchtende Blitze zuckten. Seine grösste Stärke erreichte der Ausbruch zwischen 8 1/2 und 9 1/2 Uhr Abends, nahm dann ab und erlosch ganz am folgenden Frühroth, zu welcher Zeit nur noch schwacher Rauch aufstieg. Auf den schneebedeckten Abfällen lagen Haufen von Blöcken und Schlacken. Am 7. December liess der Aetna Getöse hören, Abends sah man Flammen, die aber kaum über den Kraterrand hinausgingen. Am 8. December Abends 6 3/4 Uhr stieg wiederum unter unaufhörlichem Donnergetöse, furchtbaren Detonationen und fortdauerndem Blitzen eine Feuersäule ähnlich der am 27. November auf, deren Höhe man gegen 900 - 1000 Meter schätzte. Sie sandte zu noch grösserer Höhe glühende Massen hinauf, die, meist Parabeln beschreibend, erst nach 15-20 Sekunden auf den Gipfel des Aetna niederfielen. Die schwarzen Wolken bildeten am Himmel einen langen dunkelen Bogen, aus dem bis nach Giarre und Riposto Bimssteine von Nuss- bis Birnengrösse und reichlicher Sandregen herabfiel. Die Erdstösse waren auch in den unteren Theilen des Aetna bemerkbar, namentlich die um 8 Uhr 18 Minuten in Puntalazzo, S. Alfio, S. Giovanni, Dagala (s. Bd. XI. t. 6). Nachdem um 10 Uhr Abends das erhabene Schauspiel seinen Höhepunkt erreicht hatte, nahm es ab und hörte um 11 Uhr auf. Früh am Morgen des 9. December sah man nur noch leichten Rauch aufsteigen. Die ausgeworfenen Massen sollen den grossen. Krater ausgefüllt haben.