Original paper

Über ein neues Vorkommen des bisher nur von Schlaggenwald in Böhmen bekannten Karpholith

Lossen, Karl Aug.

Kurzfassung

Dasselbe stammt aus der Umgegend von Wippra im südöstlichen Harz (Mansfelder Gebirgskreis), und hatte es bereits F. A. Roemer von daselbst als in Quarz eingewachsen namhaft gemacht, ohne dass Weiteres darüber bekannt geworden wäre. Auf den ersten Anblick scheint das Wippraer Mineral von dem Schlaggenwalder gänzlich verschieden, es erinnert an Strahlsteinasbest oder Chrysotil oder auch an die faserigen Mineralien der Cyanit-Andalusitgruppe, wie Bucholzit, Sillimanit u. s. w. Von Farbe ist es keineswegs strohgelb, vielmehr lebhaft gelbgrün bis grüngelb. Gleich dem Schlaggenwalder Mineral ist es stänglich-faserig, aber es zeigt nie die radialstrahlige Gruppirung zu eckig-körnigen Stücken, wie jenes, ist vielmehr parallelfaserig dem Quarz eingewachsen, wie der Strahlstein in den sogenannten Katzenaugen. Meist zeigen die faserigen Aggregate einen welligen oder geknickten Verlauf. Das Mineral-Aggregat besitzt ausgezeichneten Seidenglanz, der in den einzelnen breiteren Stängeln sich dem Glasglanze nähert; Härte = 5. Strich gelblichweiss. Vor dem Löthrohr in der Platinpincette schmilzt es unschwer zum bräunlichen Email, das sich mit einem eisengrauen Manganoxydhäutchen beschlägt, mit Flüssen erregt es intensive Manganreaction. Im Kölbchen giebt es Wasser. In dem unter der Direction des Herrn Professor Finkener stehenden Laboratorium der Königl. Bergakademie wurde das Mineral von Herrn Bülowius untersucht.