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Die Tertiärformation im Klettgau.

Joseph, Franz

Kurzfassung

Einleitung. Der Klettgau liegt am Nordrande des schweizerischen Molasselandes. Die tertiären Niederschläge sind hier zum Theil eigenthümlich lokal ausgeprägt und gewinnen als Grenzschichten, Strand- und Deltabildungen ein erhöhtes Interesse. Die ganze Tertiärformation besteht im Klettgau aus zum Theil sehr mächtigen Sand-, Mergel- und Geröllablagerungen, welche theilweise durch kohlensauren Kalk zu mehr oder weniger festen Gesteinen verkittet sind. Die Geschiebe der Conglomerate stammen nicht aus unserer Gegend; sie geben jedoch ziemlich sichere Auskunft über ihre Heimath und die Richtung der sie transportirenden Strömung. Im Allgemeinen erscheinen die Schichten sehr arm an organischen Ueberresten, was in der That aber doch nicht der Fall ist und daher rührt, dass die Petrefacten meistens in sehr vereinzelten Nestern angehäuft vorkommen, wodurch ihr Auffinden, das gewöhnlich vom Zufalle abhängig ist, sehr erschwert wird. Darum gelang es mir nur durch mühevolle und Jahre lang fortgesetzte, mit vielen Schürfversuchen unterstützte Beobachtungen in fast allen Stufen ergiebige Fundstellen zu entdecken, die nun endlich ein für die Natur und Altersbestimmung der Niederschläge genügendes Material darbieten, welches aus einer ziemlich reichen interessanten Flora und einer nicht minder wichtigen Fauna besteht. In drei nach Alter und Lagerung ganz verschiedenen Horizonten fand ich in der Kaltwangenkette typisch ausgeprägte tertiäre Herbarien. Das reichste, welches mir bis heute 76 bestimmbare, meist subtropische Pflanzen und einige Thierspecies geliefert hat, liegt in den unteren Süsswasserbildungen bei Baltersweil. Das andere befindet sich in einem wohl 300' höher liegenden tertiären Schichtencomplex, in den brackischen Schichten über der Austernagelfluhe bei Dettighofen und hat als Ausbeute 45 Arten Landpflanzen und daneben noch 32 Species Land-, Süsswasser- und Meeres-Conchylien, sowie einige Insecten-, Fisch- und Säugethierreste ergeben. Das dritte endlich liegt wieder in einem noch etwa 200' höheren geognostischen Niveau, in der Juranagelfluhestufe bei Bühl, wo ich aber bis jetzt nur 12 bestimmbare Pflanzenarten gewinnen konnte. Die anderen Fundstellen, die nur Thierreste lieferten, liegen in den verschiedenen marinen Faciesbildungen bei Dettighofen, Bühl, Berchenhof, Buchberg am Rhein etc. Die Specieszahl ist aber überall eine ziemlich beschränkte; denn Berchenhof mit 27 Arten ist noch am reichsten. Bei Ausführung der vorliegenden Arbeit haben mir die Herren O. Heer und K. Mayer in Zürich und Rütimeyer in Basel durch freundliche Mittheilungen und durch das Bestimmen eines Theils meiner Petrefacten wesentliche Dienste geleistet, wofür ich diesen Herren hier meinen Dank ausspreche. Die folgende Abhandlung zerfällt in vier Abtheilungen. Der erste Theil enthält eine Anzahl der interessanteren Profile unseres Tertiärgebirges. Der zweite giebt die Gruppirung der Schichten. Der dritte Theil enthält die Altersbestimmung der Stufen oder die Parallelisirung unserer Tertiärformation mit den Ablagerungen anderer Länder, und im vierten Theile finden sich als Anhang einige speziellere Notizen über die Klettgauer Tertiärflora.