Original paper

Ueber Python Euboïcus,

Roemer, Ferdinand

Kurzfassung

Bekanntlich gehören Fossilreste von Ophidiern oder Schlangen zu den seltensten Funden. Als Landthiere konnten die Schlangen der Vorwelt auch nur ausnahmsweise in die aus dem Wasser sich absetzenden Sedimente gerathen und so erhalten werden. Die verhältnissmässige Kleinheit der einzelnen Knochen des Schädels und der Wirbelsäule, sowie die leichte Trennbarkeit ihres Zusammenhanges mögen ausserdem häufig die Fossilreste von Schlangen haben übersehen lassen. So beschränkt sich die bisherige Kenntniss derselben auf einige wenige, meist auch nur sehr unvollständig erhaltene Arten. Aus vortertiären Ablagerungen sind überhaupt keine Schlangenreste bekannt. Die ältesten und zugleich die interessantesten sind diejenigen, welche Owen unter der Gattungsbenennung Palaeophis aus eocänen Schichten Englands und namentlich von Bracklesham in Sussex und von der Insel Sheppey beschrieben hat. Es sind Wirbel grosser, zum Theil über 20 Fuss langer Riesenschlangen, welche wohl den lebenden Gattungen Python und Boa nahe stehen, aber doch auch bestimmte generische Unterschiede erkennen lassen. Ausserdem hat Owen die Gattung Paleryx für gewisse Wirbel aus eocänen Schichten von Hordwell im südlichen England errichtet, welche Charaktere von Wirbeln der lebenden Gattung Eryx mit solchen von Python und Boa vereinigen. Aus eocänen Tertiärschichten des Staates New Jersey sind die Reste von drei Arten von Riesenschlangen bekannt, für welche O. C. Marsch neuerlichst die Gattung Dinophis errichtet hat. Viel jüngeren Alters sind jedenfalls die durch Spratt bei Saloniki in Macedonien gesammelten Schlangenwirbel, an welchen Owen gewisse Merkmale der Klapperschlangen (Crotalus) erkannte, und welche er unter der Benennung Laophis crotaloides beschrieben hat. Das Wenige, was sonst noch von fossilen Schlangenresten aus tertiären Schichten bekannt geworden, ist von geringem Interesse, entweder weil die Erhaltung zu unvollkommen, oder weil sie generisch mit der gewöhnlichen Gattung Coluber übereinstimmen. Unter diesen Umständen ist die Auffindung einer verhältnissmässig wohl erhaltenen und sicher bestimmbaren Riesenschlange in tertiären Schichten Griechenlands eine bemerkenswerthe Thatsache, welche eine nähere Erörterung verdient.