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Kalksteingeschiebe mit geborstener Oberfläche im norddeutschen Geschiebelehm

Laspeyres, Hugo

Kurzfassung

Noch einmal muss ich auf die Kalksteingeschiebe mit geborstener Oberfläche im norddeutschen Geschiebelehm zurückkommen. Bei meinen geognostischen Untersuchungen des letzten Sommers in der Provinz Sachsen hat sich der Verbreitungsbezirk dieser Gebilde im Mitteldiluvium sehr erweitert. Soweit man nämlich auf dem mansfeldischen Plateau den Geschiebelehm nach Westen, dem Harze zu, unter dem Löss (Oberdiluvium) findet, soweit sind auch die an jenen gebundenen Kalksteingeschiebe mit geborstener Oberfläche verbreitet. Ich kenne in der genannten Gegend keinen Aufschluss im Geschiebelehm ohne solche Bildungen, die sich oft zu tausenden und in allen Grössen bis zu der eines Kopfes in einer Lehmgrube finden. Besonders reich daran erwiesen sich die grossen Gruben bei Dalena, westlich von Löbejün, bei Domnitz an der Magdeburg-Leipziger Chaussee unweit Gönnern, bei Wettin und Mücheln sowie jenseits der Saale bei Ihlewitz, Gerbstedt, Heiligenthal u. s. w. im Mansfelder Bergkreise. In meiner ersten Mittheilung über diesen Gegenstand (vergleiche diese Zeitschrift 1869, S. 465) äusserte ich meine Ansicht über das Alter des zu diesen Geschieben verarbeiteten Kalksteins, indem ich wohl Andeutungen, Spuren von Versteinerungen zu sehen glaubte, dieselben aber nicht mit Sicherheit nachweisen konnte. Dieser Nachweis ist mir nun im letzten Sommer an mehrfachen Geschieben aus der genannten Lehmgrube von Domnitz gelungen. Derselbe widerlegt aber unzweifelhaft meine frühere, aus rein petrographischen Vergleichungen und Betrachtungen gewonnene Ansicht über das tertiäre (mitteloligocäne) Alter des stets gleichartigen Kalksteins aller Geschiebe. Die gefundenen Versteinerungen sind alle für das Obersilur bezeichnend und zu einer solchen Altersbestimmung trotz der Verwitterung und Zerberstung des Gesteins sehr wohl erhalten. Ich sehe mich deshalb genöthigt, meine frühere Vermuthung durch den jetzigen Nachweis zu berichtigen und darf wohl jetzt mit Sicherheit aussprechen, dass die Kalksteingeschiebe mit geborstener Oberfläche im norddeutschen Geschiebelehm zum grössten Theile aus einem thonigen, nordischen Obersilurkalkstein gebildet worden sind. Die betreffenden Belegstücke habe ich mit zahlreichen geborstenen Geschieben der geognostischen Sammlung der geologischen Landesuntersuchung für die Provinz Sachsen in Berlin einverleibt. Wiederholte und bessere Erfunde von Versteinerungen in solchen Geschieben werden ohne Zweifel später das Niveau und die geographische Abstammung ihres Kalksteins näher bestimmen. Durch das Auffinden von so alten und marinen Versteinerungen in den Geschieben ist der sicherste und directe, von mir schon früher indirect geführte Nachweis gegeben, dass diese Kalksteinknollen keine geborstenen Kalkconcretionen diluvialen Alters sind, wie ich zuerst geglaubt hatte und mir eingewendet worden ist, sondern wahre Geschiebe. In Betreff der Entstehungsart dieser Gebilde kann ich nur meine frühere Vermuthung (diese Zeitschrift XXI., 1869, 697) aufrecht erhalten.