Original paper

Das Auftreten von Kreide und von Tertiär bei Grodno am Niemen.

Berendt, G.

Kurzfassung

Das Vorkommen von Kreideformation und zwar wirklicher Schreibkreide in der Nähe Grodno's ist zwar seit Langem bekannt und als nördlichster Ausläufer des polnisch-galizischen Kreidegebirges auch mehrfach erwähnt, aber alle diese Nachrichten beschränken sich eigentlich nur auf die Notiz, dass eben Schreibkreide bei Grodno ansteht und sind wohl sämmtlich zurückzuführen auf die Angaben von Pusch, dem besten Kenner jener Gegenden. Leider reicht sein geognostischer Atlas von Polen nach Norden nicht bis in die Gegend von Grodno, weder in den Specialkarten, noch in seiner "Generalkarte von den Königreichen Polen und Galizien". Seine Nachrichten über die dortige Schreibkreide beschränken sich aber auch eben nur auf die Angabe, dass solche zu Tage gehe "unweit Miala am Niemen" und "an demselben Fluss zwischen Lossosna und Sallurya in Neupreussen." Auf diese Notiz hin unternahm ich es im Sommer vorigen Jahres in Gemeinschaft mit meinem Freunde, Prof. Grewingk in Dorpat, das Kreidevorkommen von Grodno aufzusuchen, um eine eigene Anschauung der Art und Weise des dortigen Emportretens inmitten der allgemeinen Diluvialüberdeckung des Landes zu gewinnen. Einige nähere Notizen über die Oertlichkeit und Art der Lagerung werden auch von allgemeinerem Interesse sein und mögen hier folgen. Aber noch eine weitere Notiz hatte schon immer meine Aufmerksamkeit erregt und sollte zu interessanten Aufschlüssen führen. Pusch sagt an der bereits erwähnten Stelle: "Die Formation des Grünsandes ist nur bekannt unter der Schreibkreide 1 Meile West von Grodno in Litthauen nahe der polnischen Grenze, wo sie einige Lachter mächtige Flötze bildet."