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Sericitische Gesteine am Moselhal

Heymann

Kurzfassung

Vor Kurzem beobachtete ich bei einem Besuch des Moselthales ein Vorkommen sericitischer Gesteine, und zweifle ich nicht, dass es Sie interessiren wird, einige Notizen darüber zu erhalten. Bei dem Dorfe Kövenich gegenüber Enkirch an der Mosel macht dieselbe einen ihrer bedeutendsten Bogen, auf dessen äussersten Punkten die Orte Trarbach und Traben liegen. Eine von Kövenich aus den steilen Bergrücken, welcher oben die alte Festung Mont royal trägt, überschreitende Chaussee schneidet diese ganze Curve ab, und erreicht bedeutend oberhalb, bei dem Dorfe Cröv, die Mosel wieder. Fast der ganze Weg von Kövenich nach Cröv ist in grünliche Schiefer eingeschnitten, welche sofort als die Gesteine des unteren linken Naheufers bei Bingerbrück wiederzuerkennen sind, welche Sie in Ihrer "Geognostischen Beschreibung der linksrheinischen Fortsetzung des Taunus, Zeitschrift d. deutsch. geol. Ges. Bd. XIX. Jahrgang 1867. Heft 3" mit dem Namen Sericitglimmerschiefer bezeichnen. Aehnlich wie am Ruppertsberge bei Bingerbrück treten in diesem Sericitglimmerschiefer lagerartige Gänge von weissem Quarz auf, und veranlasste mich die Analogie der Verhältnisse dieselben etwas näher zu betrachten, da ich vermuthete, in denselben das Gestein vor mir zu haben, welches Sie unter dem Namen Sericitgneiss vom östlichen Fusse des Ruppertsberges bei Bingerbrück erwähnen. Da von diesen Lagergängen an mehreren Stellen Material zur Verbesserung der Chaussee frisch gewonnen war, wurde mir die Beobachtung erleichtert, und konnte ich an vielen Stellen einen fleischrothen Feldspath anstehend finden, dessen bemerkbare Streifung darauf hindeutet, dass es wiederum Albit ist. Derselbe findet sich in krystallinischen Körnern und Gruppen durch den Quarz vertheilt, innigst verwachsen mit mehr oder weniger zersetztem Spatheisenstein, während der Sericit und Chlorit in diesem Gemenge fast ganz zurücktritt. Gangausfüllung und Nebengestein scheinen mir im Ganzen bei dem Vorkommen bei Kövenich schärfer abgesondert zu sein wie bei demjenigen bei Bingerbrück. Sollte es noch eines Beweises für Ihre Behauptung bedürfen, dass diese gesammten Bildungen einen nur auf nassem Wege hervorgerufenen Metamorphismus der rheinischen Devonschichten darbieten, so haben wir denselben hier in der Anwesenheit des Carbonats und der Art und Weise seines Mitvorkommens vorliegen. Ueber die Ausdehnung dieser metamorphischen sericitischen Zone war es mir auf meiner Reise, wegen Mangel an Zeit, nicht möglich, eingehende Beobachtungen zu sammeln. Der allgemeinen Streichungslinie der rheinischen Devonschichten gemäss würde diese Sericitzone den Schieferschichten entsprechen, welche etwa unterhalb St. Goar den Rhein durchsetzen, während die äusserste Grenze der Sericit- und Quarzitbildungen des Taunus und seiner linksrheinischen Fortsetzung gegen den Thonschiefer nach Ihnen eine Linie bildet, welche zwischen Schloss Sonneck und Lorch den Rhein durchsetzt.