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Geologische Skizzen von der Westküste Schottlands.

Zirkel, Ferdinand

Kurzfassung

Die in unzählige enge Fjords und schmale Vorsprünge zersägte Westküste Schottlands bietet mit den schaarenweise davor gelegenen Western Islands oder Hebriden immer noch ein weites Feld für geologische Untersuchungen dar, soviel Kräfte sich auch schon daran versucht haben. Die ältesten, noch dem vorigen Jahrhundert und seiner geologischen Richtung angehörigen Forscher waren in dieser Beziehung Faujas De St. Fond und Jameson, dann folgten zwischen 1819 und 1821 des eifrigen Macculloch ,Description of the Western Islands," ein selbst in unsern Tagen noch in mancher Hinsicht schätzbares Werk, des früh thätigen Ami Boué ,Essai géologique sur l'Écosse" und Necker De Saussure's anziehende und lehrreiche ,Voyage en Écosse et aux îles Hébrides." Ins Jahr 1829 fallen v. Dechen's und v. Oeynhausen's werthvolle Arbeiten über Skye, Egg und Arran, 1841 erschien Ramsay's ,Geology of the island of Arran." Neues Licht wurde indessen auf die Küste und auf die schier vergessene Inselgruppe der Hebriden geworfen durch Murchison's Untersuchungen, die er zumeist im Verein mit Archibald Geikie ausführte. Selbst ein Kind der schottischen Berge schlug der scharfblickende King of Siluria im Jahre 1859 den richtigen Ton für die Deutung einer grossen Schichtenreihe auf dem schottischen Festland und den Westeilanden an, Laurentian, Cambrian, Unter- und Obersilur wurden zum ersten Mal hier als solches erkannt und so genau als möglich geschieden. Jene, zumal die langgestreckte Reihe der äussersten Hebriden und den nordwestlichsten Küstensaum Schottlands bildenden hornblendereichen Gneisse, welche noch tiefer liegen, als die ältesten unzweifelhaften Sedimentschichten der cambrischen Formation, wurden mit Recht als die älteste Gesteinsbildung Grossbritanniens hingestellt, und mit dem sogenannten Laurentian in Canada und Böhmen parallelisirt, nachdem man sie zuvor stets mit den krystallinischen Schiefern des centralen Hochlands identiticirt hatte, die indessen, wie sich aufs Deutlichste aus den Lagerungsverhältnissen ergiebt, nur umgewandelte Silurschichten sind und ein vorzügliches Beispiel grossartiger metamorphischer Vorgänge darbieten. Für einen Theil der dunkeln basischen Eruptivgesteine der Hebriden, für welche man sich noch immer nicht des viel missbrauchten Namens Trapp entrathen kann, ist die Beobachtung des um die Pflege der Naturforschung verdienten Herzogs von Argyll epochemachend, dass bei dem Vorgebirge Ardtun Head auf der Insel Mull ihre deckenförmig gelagerten Massen mit Tuffen abwechseln, welche Pflanzenreste der Miocänperiode einschliessen. Dass aber auch in die Ablagerungen älterer Formationen mehrfach und vielorts Eruptionen anderer Trappe eingriffen und überhaupt periodenweise Trappausbrüche sich wiederholten, lässt sich nicht minder scharf feststellen. Neuerdings ist es vorzugsweise der nun an der Spitze der geologischen Aufnahme von Schottland stehende Archibald Geikie, welcher sich mit rastlosem Eifer um die Kenntniss seines heimathlichen Bodens verdient macht. Es sei gestattet, im Folgenden einige vorwiegend auf die Westeilande bezügliche geologische Beobachtungen mitzutheilen, zu denen eine Reise nach Schottland im Sommer 1868 Gelegenheit bot, und welche die früheren Forschungen ergänzen, bestätigen oder berichtigen.