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Geologische Beschreibung des Ringgebirges von Santorin.

v. Fritsch, Karl

Kurzfassung

Erster Theil. Allgemeine Uebersicht. Die Inselgruppe von Santorin (36° 20' bis 36° 29' nördl. Br. und 23° 0' bis 23° 10' östl. L. v. P.) ist als eine der interessantesten vulkanischen Gebirgsbildungen des Mittelmeerbeckens bekannt. Die gesammte Gruppe, aus den Inseln: Thera und Therasia, und aus den kleineren Eilanden: Aspronisi, Palaeakaimeni, Neakaimeni, Mikrakaimeni, sowie einigen aus dem Meere aufragenden Felsen bestehend, erweist sich schon bei oberflächlicher Betrachtung als eng zusammengehörig, so dass für dies ganze Gebirgssystem ein Name: Santorin (eigentlich Santa Irene) gebräuchlich ist, welcher Name allerdings häufig auf den Haupttheil: Thera, beschränkt wird. Wenn man von Norden her sich Santorin nähert und die Inselgruppe von Weitem, zwischen Nio und Sikino hindurch erblickt, so erscheinen anfänglich vereinzelte Gipfel, die sich jedoch, sobald man jene Inseln passirt hat, scheinbar zu einem domförmigen Gebirge vereinigen. Die Regelmässigkeit der Domform wird allerdings beeinträchtigt durch das viel steilere Aufsteigen des Gehänges an der Ostseite (ca. 35°), gegenüber der mit nur 8° bis 10° abfallenden Westseite. Bald gewahrt man auch, dass der scheinbare Gebirgsdom in seinen inneren Theilen ausgehöhlt ist: durch den gegen Nordwest geöffneten Meereskanal von Apanomeria hindurch erblickt man die schwarzen Felsen der Kaimeni-Eilande, und weiter im Hintergrunde die Höhen im Südtheile Thera's, bei Akrotiri. Diese aber scheinen von der Ferne an den Westtheil (an Therasia) sich unmittelbar anzuschließen. Erst in nächster Nähe erkennt man ein ellipsoidisches Ringgebirge, dessen Umwallung an drei Stellen unterbrechen ist durch die Meereskanäle von Apanomeria, von Tripiti und von Akrotiri (letztere beide, durch das kleine Eiland Aspronisi getrennt, können wohl als zwei Theile eines Kanales gelten); ein Ringgebirge in dessen centralen Theilen die Kaimeni-Eilande aus dem Meere aufragen.