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Aus dem Thüringischen Schiefergebirge.

Richter, R.

Kurzfassung

IV. In der dritten hierher gehörigen Abhandlung ist versucht worden, den Nachweis für das obersilurische Alter der Kalklager, Tentakulitenschichten (Geinitz), Nereitenschichten und Tentakulitenschiefer, welche in Thüringen und den anstossenden Territorien den Graptolithen führenden Kiesel- und Alaunschiefern aufgelagert sind und von dem devonischen Systeme bedeckt werden, vermittelst der ihnen eigenthümlichen Pelecypoden und Brachiopoden zu erbringen. Allein da besonders manche Brachiopoden nicht selten durch mehrere Etagen und selbst Formationen hindurch sich erhalten haben und namentlich unter den a.a.O. aufgezählten mehrere in Horizonten gefunden werden, die theils tiefer, theils höher liegen, als das obersilurische System, so könnte unsere bisherige Beweisführung für nicht vollkommen überzeugend gehalten werden. Soll daher der angetretene Beweis zur Perfektion gelangen, so müssen unabweisbare Zeugen beigebracht werden und wir glauben, diese Zeugen in Graptolithen zu finden, die wie in England bis in die Ludlowgesteine, in Norwegen bis zur Basis der unteren Malmögruppe und in Böhmen bis in die untere Abtheilung von Etage F, so hier bis in die Tentakulitenschiefer heraufreichen. Allerdings könnte auch gegen den leitenden Charakter der Graptolithen in Bezug auf das silurische System überhaupt ein Bedenken erhoben werden, seitdem Hall Formen, die er den Graptolithinen zuzählt, noch aus der mitteldevonischen Hamilton Group Amerikas beschrieben hat. Aber einestheils unterscheidet er selbst ächte und unächte Graptolithinen und lässt die ersteren in der Clinton Group, welche Murchison dem englischen Upper Llandovery, also der Basis des obersilurischen Systems parallelisirt, aussterben und anderntheils sind die Gattungen Inocaulis aus der Niagara Group und Dictyonema, welche bis in die Hamilton Group heraufreicht, auch mit den übrigen unächten Graptolithinen noch weit schwieriger zu verbinden, als die Gattungen Dendrograptus (? Lophoctenium), Callograptus (? Callithamnites Göppert) und Philograptus. Inocaulis ist gewiss mit Recht von Geinitz einer ästigen Calamopora verglichen worden und was Dictyonema anlangt, so hat genaueste Untersuchung einer Suite skandinavischer Exemplare von D. flabelliforme Eichw. keine Spur von Graptolithenzellen oder auch nur von regelmässiger Zähnelung der Zweigränder erkennen lassen, womit in Einklang steht, dass auch Roemer an den ausgezeichnet erhaltenen Sadewitzer Stücken keine Zellen gesehen hat. Es dürfte demnach auch angesichts des Werkes von Hall immer noch daran festzuhalten sein, dass überall, wo ächte Graptolithen auf primärer Lagerstätte angetroffen werden, silurisches Gebiet ist. Auf Grund dieser Voraussetzung wird auch den Nereitenschichten und den Tentakulitenschiefern, denen die im Folgenden zu beschreibenden Graptolithen angehören, mit Notwendigkeit silurisches Alter zugesprochen werden müssen.