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Notiz über Rhynchonella pugnus mit Farbenspuren aus dem Eifler Kalk.

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

In der neulich erschienenen zweiten Folge von Quenstedt's ,Petrefacten Deutschlands", enthaltend die Brachiopoden, findet man unter dem Namen Terebratula pugnoides Schnur eine Varietät der Rhynchonella pugnus aus dem Eifler Kalk abgebildet, welche durch Erhaltung der Schalenfärbung von Interesse ist. Auf der weissen Kalkspathschale nimmt man nämlich zahlreiche, fast stecknadelkopfgrosse, mehr oder weniger intensiv rostbraun gefärbte Flecke oder Tüpfel wahr (vergl. l. c. S. 191 t. 42. f. 12). Die gleichmässige Verbreitung der Flecke über das ganze Gehäuse, sowie namentlich ihre Anordnung in Reihen, welche die sogenannte Quincunxstellung zeigen, lassen keinen Zweifel, dass man es mit Resten alter Schalenfärbung und nicht etwa mit zufälligen späteren Gebilden zu thun habe. Im Sommer 1870 mit geognostischen Untersuchungen in der Eifel beschäftigt, gelang es mir, in der Gegend von Gerolstein mehrere Exemplare der beschriebenen farbigen Muschel zu finden. Als grosse Seltenheit kommt dieselbe dort neben häufigeren ungefärbten Individuen vor und zwar, so weit mir bekannt, nur an einer einzigen Stelle der Gerolsteiner Kalkmulde, nämlich einem grabenartigen Wasserrisse neben dem vom Heidkopfe (südsüdöstlich Gerolstein) in nordöstlicher Richtung ins Geeser Thal hinabführenden grossen Fahrwege. Sie findet sich hier in ziemlich compacten Kalkbänken, die dort den weicheren Kalkmergeln eingelagert sind, welche ungefähr dem mittleren Niveau der unteren Abtheilung des Eifler Kalkes, der Calceola-Schichten, angehören. Die Eifler Rhynchonella ist nun nicht allein deshalb von Interesse, weil durch sie die kleine Zahl von fossilen Conchylien und speciell Brachiopoden mit erhaltener Färbung vermehrt wird, sondern auch besonders wegen der Art ihrer Farbenzeichuung. Die Schalen der lebenden Brachiopoden sind bekanntlich überwiegend ungefärbt oder nur blass gefärbt. Wo aber lebhaftere Färbung vorkommt, da pflegt dieselbe die Schale gleichmässig zu bedecken; nur selten - und zwar bei einer kleinen Anzahl von Terebratuliden - kennt man bestimmtere Farbenzeichnung, die dann entweder Radialstreifen oder Flecken bildet. Erstere beobachtet man z.B. bei Terebratella rubella, Terebratella Zelandica und Bouchardia tulipa; letztere besonders bei Waldheimia picta und Terebratella sanguinea. Wo sich die ursprüngliche Färbung bei fossilen Brachiopoden erhalten hat, da besteht dieselbe zumeist in dunkler Radialstreifung, ähnlich der bei den genannten lebenden Terebratuliden zu beobachtenden.