Original paper

Über die Produkte der jüngsten eruptiven Formationen des Westerwaldes

Kosmann, Bernhard

Kurzfassung

Herr Kosmann sprach unter Vorlegung der betreffenden Gesteine über die Produkte der jüngsten eruptiven Formationen des Westerwaldes, welche in ihrer chemischen und petrographischen Beschaffenheit eine Parallele zu den vulkanischen Producten des Laacher-Sees und der Eifel darbieten. Zwar sind im Westerwalde die vulkanischen Formationen von minderer Deutlichkeit als dort, weil namentlich die Eruplionskratere fehlen und die Lavaströme sich meist nur in geringerer Ausdehnung verfolgen lassen, und weil endlich die gesammten eruptiven Formationen des Westerwaldes der deutlichen Gruppirung entbehren und durch bedeutende Schichten verhüllt sind in Folge der grossen nivellirenden Verwaschungen und Verschlämmungen der tertiären und diluvialen Epoche. Bei der grossen Menge basaltischer Bildungen, die namentlich im ganzen Bereiche des hohen Westerwaldes auftreten, verdienen die Punkte um so mehr Beachtung, an denen die Producte vulkanischer Bildung sich vorfinden, d.h. Gesteine, die sich sowohl durch ihre Lagerung, wie ihre homogene Beschaffenheit und durch die poröse Structur, bei welchen die langgezogenen Poren in der Richtung des Stromes angeordnet sind, sowie endlich durch das gleichzeitige Auftreten von Schlacken, Auswürflingen und Tuffen als geflossene Lavagesteine charakterisiren. In dieser Beziehung ausgezeichnete Punkte sind der Mühlberg bei Hirschberg (Amt Diez) und der Stein bei Seelbach (Amt Weilburg). An anderen treten nur poröse Gesteine auf, die zum Theil in ihrer Fortbewegung sich der Thalneigung angeschlossen haben. Solche Gesteine wurden vorgelegt vom Höppcheshain bei Liebenscheid, vom Windhain bei Rabenscheid, vom Kirmerich bei Seck, von der Weltershöhe bei Hof (Amt Marienberg). Alle diese sind doleritischer Natur, nur diejenige des Mühlbergs ist nephelinhaltig; ausserdem tritt am Sengelberg bei Salz (Amt Wallmerod) eine trachytische Lava auf und bei Saynscheid (Amt Westerburg) ein Gestein, anscheinend in der Mitte zwischen Trachyt und Nephelinit stehend.