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Ueber die Erzführung der thelemarkischen Schiefer.

Herter, Paul

Kurzfassung

Der centrale Theil des südlichen Norwegens ist ein wild zerrissenes Felsplateau von 2000 Fuss mittlerer Meereshöhe, in welchem lange und tiefeingeschnittene Thäler, den Fjorden der Westküste entsprechend, doch nicht unter das Meeresniveau herabsinkend, zwei Hauptstreichungslinien, S.O.-N.W. und S.W.-N.O. erkennen lassen. Die Thalwände sind meistens sehr steil, mitunter senkrecht und in dem bekannten Ravne Juv Fjeld in Tokkedalen überhangend. Die Massen, welche Verwitterung und Frost von den Felsen ablösen, bilden am Fusse derselben Halden (Steenurer) oft von enormen Dimensionen (Fig. 3 und 4 zeigen ein Profil des Tokke-Thals), während die Thalsohle von mehr oder weniger zerkleinerten, oft sehr mächtigen Alluvionen erfüllt wird. In ihnen haben die Stromläufe, welche keinem norwegischen Thale fehlen, oft unter mehrmals wiederholter, ausgezeichneter Terrassenbildung, ihre Betten eingeschnitten und stauen sich, wo der Abfluss erschwert ist, in langgestreckten Seebetten, deren Spiegel sich von 50 Fuss Meereshöhe bis etwa 800 Fuss erhebt. Durch Stromschnellen verbunden liegen gewöhnlich in demselben Hauptthale mehrere Seen in verschiedenen Niveaus hintereinander. Im Verhältniss zu der Hochebene (Höifjeld oder Heidi) nehmen die Thäler, so grossartig sie von unten erscheinen, einen verschwindenden Theil des Gesammtareals ein. Bei 6000 Quadratmeilen Flächeninhalt besitzt Norwegen 50 Quadratmeilen Ackerland, wovon mindestens die Hälfte auf die Ufer des Trondhjemer Fjord, des Mjösen und des Christiania Fjord kommen. Das Hochplateau ist mit mehr oder minder hohen Bergkuppen besäet, die mit Einsenkungen abwechseln, von unregelmässigen, meist rundlichen Contouren, ohne die erwähnte deutliche Thalbildung; in diesen sammelt sich die Masse der jährlichen Niederschläge zu zahllosen grösseren und kleineren Hochgebirgseen (Höifjeld-Vander) an. So grossartig und mannigfaltig die Scenerie der Thäler und Küsten, die bei dem relativ milden Klima des Landes eine üppige Vegetation verschönert, so einförmig und öde ist die der Hochebene; verkrüppelte Waldungen, unabsehbare Moore, aus denen kahle Felsmassen über die Vegetationsgrenze emporragen, werden nur von Wasserflächen unterbrochen. Ueber 200 Quadratmeilen dieses Felscoloss, den grössten Theil von Thelemarken, sowie die westlichen und nordwestlichen Theile von Numrnedalen nimmt eine Quarzformation ein, welche Keilhau nach dem höchsten Gipfel der Gegend, dem 6020 Fuss hohen Gousta-Fjeld, Gousta-Schiefer nannte, Kjerulf und Dahll Thelemarken-Schiefer.