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Ueber geborstene und zerspaltene Geschiebe.

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die mehrfältigen Mittheilungen des Herrn Laspeyres in den Verhandlungen der Deutschen geologischen Gesellschaft über geborstene Geschiebe im norddeutschen Mitteldiluvium veranlassen auch mich, der Gesellschaft vorzutragen, was ich über diesen Gegenstand beobachtet habe, um die Thatsache ihrem vollen Inhalte nach zu bestätigen, und einen Beitrag zur Feststellung ihres Verbreitungsbezirkes zu geben. Ich benutze dann diese Gelegenheit, um eine andere, in der Erscheinung sehr verwandte, im Ursprunge zwar noch dunkle, jedenfalls aber sehr verschiedenartige Thatsache in Erinnerung zu bringen, nämlich die ebenfalls lose im Diluvium liegenden, zerspaltenen und wieder zur Breccie verkitteten Geschiebe. Ich habe dieselben zwar schon 1846 in meinen ,Geognostischen Beobachtungen" erwähnt, habe aber im vorigen Jahre Gelegenheit gehabt, neue Untersuchungen darüber anzustellen, und glaube überdies, dass die mit den auffallendsten Nebenumständen verknüpfte Thatsache damals nicht die genügende Beachtung gefunden hat. Was nun zunächst die geborstenen Geschiebe betrifft, so finden sich dieselben vereinzelt in ganz Schleswig-Holstein, doch scheinen sie auch hier besondere Sammelpunkte zu haben. Ebenfalls scheint, obgleich man wohl, wie schon Herr Laspeyres wahrnahm, hin und wieder ein abweichendes Gestein in dieser Verfassung antrifft, sich diese Umwandelung auf drei oder vier Felsarten zu beschränken. Das bekannteste Gestein, an welchem die Erscheinung auftritt, ist auch in Schleswig-Holstein ein grünlichgrauer Kalk- oder Mergelstein von sehr dichtem und ebenem, ganz mattem Bruche und einer beinahe schreibenden milden Weichheit. Bei einer sehr grossen Uebereinstimmung der Felsart mit denjenigen silurischen Gesteinen, in welchen die Graptolithen ihre schwarzglänzende Oberfläche so hell auf dem mattgrünen Grunde abheben-die glimmerreichen und stark schiefrigen Graptolithenmergel sind hier nicht gemeint - habe ich doch bisher nicht gewagt, beide Gesteine zu vereinigen. Da nun aber Herr Laspeyres in den von ihm beobachteten Stücken silurische Petrefacten wahrgenommen hat, glaube ich ein solches Alter vorläufig auch für diese Stücke in Anspruch nehmen zu dürfen.