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Abraumsalze in Stipsdorf?

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die Frage, ob Kalisalze in Segeberg oder Stipsdorf vorhanden seien, hat die Bergbehörden lebhaft beschäftigt. Sie hat mich in diesen Tagen, als die Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft, zu deren Verwaltungsrath ich gehöre, den Beschluss fasste, ihrer Generalversammlung den Eisenbahnbau nach Segeberg vorzuschlagen, ebenfalls ernsthaft berührt. Ich bin der Meinung, dass Abraumsalze in Stipsdorf vorhanden sind, und zwar aus folgenden Gründen: Als bei der Stipsdorfer Bohrung die ersten Steinsalzstücke gefördert wurden, entstand eine eigentümliche, technisch schwer zu überwindende Stockung in der Bohrarbeit. Der Bohrer wurde nach jedem Ausnehmen fest. Die klemmende Substanz erwies sich als ein Haufwerk von Gypskrystallen; die Meldungen, wenigstens die öffentlich bekannt gewordenen, lauteten, der Bohrer stecke im Marienglas. Mir erschien dies von Anfang an räthselhaft. Marienglas kann den Bohrer nicht in seiner Arbeit hindern, denn was an diesem weichen Materiale nicht durch die Schärfe des Meissels zerstört wird, das weicht den schweren Theilen des ganzen Bohrapparates aus und drückt sich in die Lücken wie Blei. Ginge der Bohrer durch ein mächtiges Haufwerk von Marienglas - denn von einer Schicht lässt sich wohl nicht sprechen - so würde die Wand des Bohrloches völlig sicher gepolstert sein, und selbst Lücken, welche der aufsteigende Apparat liesse, würden keinen Nachfall bewirken. Was den Bohrer festhalten konnte, schien aber Nachfall sein zu müssen, und der Bohrmeister Wilhelm Brunne, jetzt zu Elmen, hat mich auch sowohl, da ich sein Bohrloch besuchte, als auch später, da er nach seinem Kriegsdienst mich aufsuchte, fest versichert, dass der Bohrer nicht vor Ort eingeklemmt war, sondern durch Nachfall festgehalten wurde. Ich habe daher mir einen Theil des Nachfalles geben lassen, welcher in grossen Massen gefördert wurde, und dieser Nachfall bestärkt mich in der Meinung, dass Abraumsalze in Stipsdorf vorhanden sind.