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Vorläufige Mittheilungen über die Humussubstanzen und ihr Verhalten zu den Mineralien.

Senft

Kurzfassung

Wer irgend die Bildungsmassen der Erdrinde, - die festen Gesteine, wie das krümelige Gemenge der Erdbodenarten, - sorgfältig und dauernd beobachtet hat, der wird auch schon bemerkt haben, nicht blos, dass sich diese Massen im Zeitverlaufe sowohl in ihren morphologischen und physischen Eigenschaften, wie in ihrem chemischen Gehalte auf die mannichfachste Weise verändern, sondern auch, dass zunächst sich aus den alten vorhandenen Mineralmassen neue, oft ganz anderer Art, herausbilden, dass ferner neue Mineralarten nicht selten an Orten entstehen, welche gar nicht das Bildungsmaterial zur Erzeugung derselben besitzen, dass endlich morphologisch und chemisch vollständig entwickelte Mineralarten, welche in reinem, wie in kohlensäurehaltigem Wasser so, wie sie sind, scheinbar gar nicht löslich sind, unter Verhältnissen auftreten, dass man annehmen muss, dass sie durch irgend ein Mittel aus ihrer früheren oder primären Geburts- oder Wohnstätte unzersetzt aufgelöst und weiter nach ihrem jetzigen oder secundären Wohnsitze transportirt worden sind. Diese Erscheinungen sind wohl Jedem, welcher sich mit Mineralogie, Geognosie oder Bodenkunde aufmerksam beschäftigt, bekannt. Aber eben diese Erscheinungen - und namentlich diejenigen, welche dem Beobachter im Wasser unlösliche Mineralarten an Orten zeigen, welche gar nicht das Material zu ihren Bildungsmassen besitzen - haben schon sehr häufig den Gedanken erregt: Es muss ausser dem reinen und kohlensäurehaltigen Wasser auch noch andere Fluida geben, welche nicht blos umwandelnd auf gewisse Mineralarten einwirken können, sondern auch das Vermögen besitzen, Minerale, die als in reinem oder kohlensäurehaltigem Wasser unlöslich gelten, unzersetzt aufzulösen und an anderen Orten unter gewissen Verhältnissen wieder unverändert abzusetzen. Auch mich beschäftigte dieser Gedanke schon seit dem Jahre 1845 so, dass ich nicht blos mit allen möglichen Quellwassern, sondern auch mit künstlich präparirtem Salze oder Kohlensäure enthaltendem Wasser eine lange Reihe von Mineral-Lösungsversuchen anstellte. Allein die hierdurch entstandenen Resultate lieferten mir nichts Neues und Hessen mich überhaupt unbefriedigt, so dass ich alle weiteren Versuche dieser Art fast bei Seite gestellt hätte, wenn mich nicht Beobachtungen im Haushalte der Pflanzenwelt auf ganz neue Lösungsmittel der Mineralien aufmerksam gemacht hätten.