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Ueber krystallisirten Blödit von Stassfurt.

Groth, P.; Hintze, Carl

Kurzfassung

Unter dem Namen Blödit beschrieb John 1821 (Chem. Schriften VI., 240) ein an der Luft verwitterndes Salz von der chemischen Zusammensetzung: Na2 SO4 + Mg SO4 + 4 aq; dasselbe war in Ischl gefunden worden und ist später durch Herrn v. Hauer (Jahrbuch der geol. Reichsanst. 1856, p. 605) von Neuem analysirt und dafür die obige Formel bestätigt worden. Eine Verbindung von genau derselben Zusammensetzung beschrieb Herr G. Rose als Astrakanit von den Korduanischen Seen bei Astrakan, und analysirte Göbel (G. Rose, Reise nach dem Ural II., 270), welcher zugleich angiebt, dass auch diese Substanz an der Luft verwittere. Die gleiche chemische Formel besitzt ferner ein Salz, welches Hayes untersuchte (Amer. Journ. of Sc., 2 s., XXIV., 112) und das sich bei Mendoza in Südamerika findet. Endlich hat vor Kurzem Herr Tschermak (Sitzungsber. der Wiener Akademie, Bd. LX., 2. Abth., p. 718 f.) eine Verbindung von Hallstadt beschrieben, welche daselbst mit Steinsalz, Karstenit, Polyhalit zusammen, theils dicht, theils in sehr kleinen Krystallen, gefunden wurde und deren Form Herr Brezina bestimmt und als monoklinisch erkannt hat (Axenverhältniss: a : b : c = 1,3418 : 1 : 0,6764). Herr Tschermak theilt mit, dass dieses Salz luftbeständig sei und beim Erhitzen im Wasserbade3/8 seines Wassergehaltes einbüsse, worauf es die Zusammensetzung des Löweïts habe und nunmehr mit diesem Mineral ident sei, dessen Wassergehalt erst beim Glühen entweiche. Demnach sei dieses Salz von dem Blödit und Astrakanit verschieden, und wird daher für dasselbe der Name Simonyit vorgeschlagen. In diesem Jahre gelangten in die Mineraliensammlung der Bergakademie durch die Güte des Herrn Schöne in Schönebeck mehrere Stufen von Stassfurt mit wasserhellen, glänzenden und flächenreichen, bis zollgrossen Krystallen eines Minerals, welches nach in Stassfurt angestellten Analysen ebenfalls die Zusammensetzung der bereits angeführten Verbindungen hatte, und dessen Krystalle theils auf derben Massen derselben Substanz, theils auf derbem Carnallit aufsassen. Sie waren, nach einer Mittheilung des Herrn Borchardt, in der letzten oberen, ein Fuss mächtigen Schicht des Carnallitlagers gefunden worden.