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Der Vesuv am 1. und 17. April 1871.

v. Rath, Gerhard

Kurzfassung

Da die jüngste Eruption des Vesuvs, deren Augenzeuge zu sein, mir an den beiden genannten Tagen vergönnt war, unzweifelhaft nur eine Phase darstellt in der mit dem Februar 1865 beginnenden Eruptionsperiode des Feuerberges, so wird es zum besseren Verständniss der letzten Erscheinungen dienen, wenn hier in Kürze an die wichtigsten Thatsachen dieser jüngsten Epoche des Vulkans erinnert wird. Zu Beginn des Jahres 1865 nahm ein grosser Krater, etwa 1000 Meter im Umfang, 65 Meter tief, den Gipfel des Vesuvs ein. Am 10. Februar öffnete sich in diesem Krater ein Schlund, welcher Schlacken und Steine spie. Am 3. April desselben Jahres beobachtete ich vom Kraterrande aus, dass sich über dem Eruptionsschlunde ein Kegel aufbaue, dessen Lavaerguss und Schlackenauswurf den Boden des grossen Kraters allmälig erhöhten. Wiederholt begrub sich der kleine Eruptionskegel unter vermehrtem Lavaerguss, baute sich dann wieder in Folge der Zunahme des Schlackenauswurfes von Neuem auf. In dieser Weise dauerte diese Thätigkeit bis in den November 1866 fort, zu welcher Zeit der Eruptionsschlund zu erlöschen schien, ohne völlig den grossen Gipfelkrater ausgefüllt zu haben. Im October 1867 entzündete sich der erloschene Schlund von Neuem, die Temperatur der Fumarolen nahm zu, zuweilen stieg reichlicher Bauch empor. In der Nacht vom 12. zum 13. November bildete sich über dem alten Schlund durch Zerreissung und Aufrichtung der früher ergossenen Lavabänke ein neuer Kegel, dessen untere Hälfte demnach aus mächtigen, fast vertikalen Pfeilern dichter Lava bestand. In wenigen Tagen wuchs dieser kleine Erhebungskegel durch die grosse Menge der ausgeschleuderten Massen bis zu einer Höhe von 120 Metern. Er füllte nicht nur den früheren grossen Gipfelkrater vollständig aus, sondern bedeckte auch zum grossen Theil die Aschenebene, welche im Niveau des Kraterrandes sich ausdehnte. Die Detonationen des Berges wurden zuweilen bis Neapel gehört; bis 300 Meter hoch sah man die glühenden Projectile auffliegen.