Original paper

Ueber den Meteorstein von Mezö-Madaras.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Als Ergebniss meiner Untersuchungen der Steine von Klein-Wenden, Pultusk, Richmond und Jowa und später desjenigen von Chantonnay habe ich behauptet, dass diese zur Gruppe der Chondrite gehörigen Meteoriten zwei Silikate enthalten, welche ihre Hauptmasse bilden: nämlich das Singulosilikat Olivin und das Bisilikat Broncit, und dass deren Trennung durch Säuren sehr gut gelinge. In einer möglichst vollständigen Uebersicht aller Arbeiten, welche sich auf die chemisch-mineralogische Kenntniss der Meteoriten beziehen, wurde gezeigt, dass von fünfzig verschiedenen Chondriten, welche bis jetzt untersucht sind, die grosse Mehrzahl zu dem gleichen Resultat führt, d. h. dass der zersetzbare Theil ihres Silikatgemenges als Olivin, der unzersetzbare als Broncit betrachtet werden muss. Allein es lagen auch Fälle vor, in welchen, den Zahlen der Analyse zufolge, eine solche Deutung unzulässig erschien. Zu diesen gehört der am 4. September 1852 beiMezö-Madaras in Ungarn gefallene Stein, ein Chondrit, der manchem anderen, z. B. dem von Seres, äusserst ähnlich ist. Der Chondrit von Mezö-Madaras ist von Atkinson in Wöhler's Laboratorium untersucht worden. Nach dieser Untersuchung wäre der zersetzbare Theil der Silikate eisenfrei, ganz im Gegensatz zu allen anderen; er enthielte 51,8 pCt. Kieselsäure, 5 pCt. Thonerde, 37,6 Magnesia, 1,7 Kalk und 3,7 Natron und Kali; er wäre mithin durchaus nicht Olivin, sondern er bestände aus 2 Mol. Bisilikat und 1 Mol. Singulosilikat. Aber auch die Mischung des unzersetzbaren Theils entfernt sich erheblich von derjenigen eines Bisilikats, welche wir bei der grossen Mehrzahl der Chondrite antreffen. Dieser Theil soll 60,7 pCt. Säure enthalten, so dass die Berechnung hier auf ein Trisilikat führen würde. Im Nachfolgenden will ich die Resultate angeben, welche eine neue Untersuchung dieses Steins mir geliefert hat, für welche Herr G. Rose das Material aus der reichhaltigen Universitätssammlung mir übergab.