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Geognostische Beschreibung der Umgegend von Stade.

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die Festung Stade an der Schwinge, nahe bei deren Mündung in die Unterelbe belegen, wird von dem genannten kleinen, zwischen Stadt und Mündung schiffbaren Flusse durchströmt und in ihren Festungswerken umgeben. Sie liegt auf einem sanft ansteigenden Hügel, welcher an dieser Stelle den äussersten Vorsprung der Geest, das heisst hier des Diluviums, gegen das Alluvium der Marsch bildet. Die Marsch ist daselbst, wie überall an der Unterelbe, unter den Einflüssen von Ebbe und Fluth entstanden, also, in diesem mechanischen Sinne, ein Meeres-Alluvium, selbst wenn ihre mikroskopischen Organismen grösstentheils aus Süsswasser stammen. Der Elbstrom lässt auf seinem unteren Laufe, während der Stau zwischen den Gezeiten, einen fetten ,Schlick" fallen, der nach seiner Verfestigung den sogenannten ,Klei" bildet, eine thonig humose Erde, deren Humus reich an Stickstoff, und deren thoniger Bestandteil überwiegend kieselig ist und nur seiner Cohäsionseigenschaften wegen als Thon bezeichnet wird. Die Marsch ruht bei Stade theilweise auf Sand in der Nähe der Elbe, theilweise auf Moor in der Nähe der Stadt. Das Letztere wird oft, das Erstere selten und nur bei den tiefen Arbeiten für Erfrischung des Ackers beobachtet, im Uebrigen konnte man es aus den noch fortgehenden Erscheinungen des Anwuchses schliessen, indem der Elbstrom die sogenannten ,Sande", d. h. die aus Sand gebildeten Werder und Inseln, gestaltet, welche, erst wenn sie durch Binsen, Rohr, Schilf und Graswuchs dazu allmälig vorbereitet sind und sich in sogenannte ,Schallen" oder ,Schalgen" verwandelt haben, den Schlickfall aufnehmen und festhalten. Ausser diesen beiden alluvialen Unterlagen der Marsch findet sich voraussichtlich streckenweise auch eine tertiäre Unterlage, denn wo die Stader Marsch an die Elbe stösst, wird seit alten Zeiten zahlreich Bernstein von der Elbe ausgewaschen.