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Geologisch-topographische Beschreibung der Hamburger Hallig.

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die Hamburger Hallig ist eine jener kleinen unbedeichten Marschinseln der Nordsee, welche zwischen dem Festlande und der hinreichend bekannten Kette friesischer Geest- und Düneninseln allen Unbilden eines ab- und zufluthenden, von starken Strömungen durchfurchten und den heftigsten Stürmen unterworfenen Meeres ausgesetzt sind. Bei den seltener eintretenden Ueberfluthungen ist ihre Oberfläche durch eine dichte Narbe kurzen Grases gegen das Aufreissen und Wegspülen geschützt; gegen die täglichen Angriffe der Strömungen und des Wellenschlages ist ihre ganz steile Kante völlig ungeschützt, da sie aus dem aufschlemmbaren Thone besteht, welcher auch bei ihrer Entstehung im Meerwasser suspendirt gewesen ist. Eine Folge davon ist, dass die Ränder unablässig verwaschen und jede einzelne Hallig von allen Seiten verkleinert wird. Selbst die grasbewachsene Oberfläche ist nicht ununterbrochen und unantastbar. Die auf der Karte angegebenen, scheinbar regelmässigen Wasserläufe sind in der That im höchsten Grade unregelmässig, verbreitert und verengert. Auf natürliche Weise entstanden und nur, wo es nöthig ist, durch Kunst ein wenig regulirt, bilden diese sogenannten Priele bei den gelegentlichen Hochfluthen die Abflüsse für das zurückgehende Hochwasser. Zwischen je zwei Hochfluthen kann sich keine Grasnarbe erzeugen, und daher zeigen sie den nackten Marschboden mit einem dünnen, weissen Anfluge von Kochsalz und geben, wo sie in das Meer münden, vermehrten Anlass zur Zerstörung der Insel, weil sie die schlichte Kante unterbrechen. Die von solchen Prielen eingenommene Fläche ist nicht ganz unbedeutend. Eine im Jahre 1828 gefertigte Karte der Hamburger Hallig, auf welcher das Gesammtareal noch 200 Demath ausmacht, zeigt, dass 42 Demath, also etwa der fünfte Theil des Landes, von den Wasserläufen in Anspruch genommen wird.