Original paper

Ueber die Bodenbewegungen an der Küste von Manabí (Departement Guayaquil), nebst einigen Beiträgen zur geognostischen Kenntniss Ecuadors.

Wolf, Theodor

Kurzfassung

Die geognostische Zusammensetzung der Küste von Manabí - soweit ich dieselbe untersuchen konnte, nämlich von Charapató bis in die Nähe des Caps Venado - ist höchst gleichförmig. Die steilen Gehänge der Küste, welche häufig senkrecht abgeschnittene Wände bis 300 Fuss Höhe zeigen, bieten für die Untersuchung der Schichten die beste Gelegenheit dar. Alle Berge längs dieses Littorals gehören zur Tertiärformation und bestehen aus losen Sanden, wechsellagernd mit sandigen Thonen. Wir finden hier einen der wenigen Punkte der Republik, wo durch fossile Reste eine Altersbestimmung der Schichten möglich ist. Der Sand umschliesst nämlich eine reiche marine Fauna, namentlich Acephalen und Gastropoden, deren Species theils erloschen sind, theils aber noch im stillen Ocean leben. Alle diese tertiären Schichten, deren Mächtigkeit über 400 Fuss beträgt, erscheinen, wenn man ein von Nord nach Süd laufendes Profil betrachtet, fast horizontal, seltener mit einer geringen Neigung gegen Nord. Die von Ost nach West, vom Binnenland gegen den Küstensaum aufgeschlossenen Profile zeigen indess, dass das ganze Tertiärterrain gegen das Meer - gewöhnlich unter Winkeln von 20 bis 25° - einsinkt. Diese Lagerung der Schichten, welche für das Verständniss des hier zu schildernden Phänomens von Wichtigkeit ist, zeigt sich namentlich deutlich am nördlichen, Gestade der schönen Bai von Caráques. Zwischen den beiden grossen und weit vorragenden Vorgebirgen, Pasado im Süden und Venado im Norden, bildet die Küste eine weite Ausbuchtung, welche von zwei kleineren Caps begrenzt wird, nämlich von der Punta Cambuga gegen Süd und der Punta Cabugal gegen Nord. Diese Küstenstrecke ist der Schauplatz merkwürdiger Bewegungen der Erdoberfläche.