Original paper

Ueber den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse von der chemischen Natur der Kalknatronfeldspäthe.

Rammelsbebg, C.

Kurzfassung

I. Plagioklas. Die Kenntniss der Kalknatronfeldspäthe ist in der letzten Zeit, besonders durch die Untersuchungen vom Rath's, wesentlich gefördert worden, und es hat sich dadurch das von Tschermak aufgestellte Mischungsgesetz im Allgemeinen recht gut bestätigt. Es dürfte deshalb nicht unpassend sein, die bis jetzt gewonnenen Resultate zu überblicken und zu sehen, welche von ihnen Anspruch auf grössere Zuverlässigkeit haben, und festzustellen, welche Mischungsverhältnisse von Albit- und Anorthitsubstanz in der Natur unter den Labradoren, Andesinen und Oligoklasen am häufigsten vorkommen. Die Analyse eines jeden Kalknatronfeldspaths ergiebt zwei, Atom Verhältnisse, aus welchen die Mischung sich berechnen lässt, nämlich das von Al : Si und das von Na: Ca. Aus dem einen folgt das andere. Solche Analysen, bei denen beide Verhältnisse zu demselben Resultat führen, sind ebensowohl ein strenger Beweis für die Richtigkeit des Mischungsgesetzes, als auch für die Reinheit des Materials und die Genauigkeit der Scheidung. Man könnte sie Normalanalysen nennen. Wenn man aber erwägt, dass wohl nicht alle untersuchten Kalknatronfeldspäthe vollkommen rein und unverändert gewesen sind, und dass die Resultate der Analyse auch durch die Mängel der Ausführung beeinflusst werden, so darf man sich nicht wundern, dass die Mehrzahl der Analysen dem Mischungsgesetz nicht in aller Strenge entspricht. Berechnet man aus dem einen gefundenen Atomverbaltniss das andere, so findet keine Uebereinstimmung statt, und es wird fraglich, welches von beiden mit grösserer Sicherheit der Rechnung zum Grunde gelegt werden kann.