Original paper

Mittheilungen des Herrn Reiss über eine Reise in Südamerika aus Briefen an die Herren G. Rose und Roth vom December 1871.

Reiss

Kurzfassung

Seit vier Jahren bereise ich, in Gemeinschaft mit Herrn Dr. A. Stübel aus Dresden, die südamerikanischen Republiken Colombia (Neu-Granada) und Ecuador mit der Absicht, die so berühmten Vulkangebirge dieser Länder zu studiren und so gewissermaassen die Arbeiten fortzusetzen, welche ich in früheren Jahren auf den atlantischen Inseln und im griechischen Archipel begonnen. Ich habe im Allgemeinen auf meiner Reise die Route Humboldt's verfolgt, aber eine bedeutende Zeit der Untersuchung der wichtigeren Gebirge gewidmet. In Santamarta betraten wir, Dr. Stübel und ich, den Continent Südamerika's in der Mitte des Januars 1868, um von dort aus, den Magdalenenfluss verfolgend, in das Innere des Landes vorzudringen. Leider verhinderte uns unsere Unkenntniss der socialen Verhältnisse des Landes an einer Untersuchung der gewiss sehr interessanten ,Sierra nevada de Santamarta." Wir mussten zufrieden sein, Mittel und Wege zu finden zu einer Reise über die tertiären Hügel von Tubará, längs der Küste bis Cartagena, um so die Schlammvulkane von Galera-Zamba und Turbaco besichtigen zu können. Die Fahrt auf dem Magdalenenflusse ist geognostisch sehr uninteressant, indem der Fluss durch mächtige Alluvial- und Diluvialablagerungen dahinfliesst, nur selten etwas eingeengt durch herantretende Tertiär- oder krystallinische Gesteine. Erst bei Honda gewinnen die geologischen Verhältnisse Interesse, indem hier die mächtigen, von der Centralcordillera stammenden, vulkanischen Schuttmassen den Fluss dicht an den Fuss der Ostcordillera gedrängt haben. Um einen möglichst vollständigen Begriff des Landes zu gewinnen, verwandten wir einige Monate auf den Besuch der meist aus Kreideformation aufgebauten Gebirgsketten im Norden von Bogotá, die namentlich wichtig sind wegen der Einlagerung nutzbarer Mineralien, wie Eisen,Salz, Kohle, Kupfer, und wegen der Smaragdgruben von Muzo.