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Ueber ein grosses Granitgeschiebe aus Pommern, nebst einigen Bemerkungen über die Eintheilung der Trachyte in Humboldt's Kosmos

Rose, Gustav

Kurzfassung

In der Granitschleiferei der Herren Kessel und Röhl sind und werden jetzt Theile eines grossen Granitgeschiebes aus Pommern verarbeitet, das wegen seiner Grösse, der Schönheit der Farben seiner Gemengtheile und der Frische seines Ansehens sehr merkwürdig ist. Die Herren Kessel und Röhl waren so gütig, dem hiesigen mineralogischen Museum ein schönes angeschliffenes Stück dieses Granits zu verehren, was mit vielem Danke angenommen wurde. Nach diesem und anderen Fragmenten erlaube ich mir hier die folgende Beschreibung mitzutheilen. Die Zusammensetzung des Granits dieses Geschiebes ist sehr einfach; er besteht fast nur aus vorwaltendem Feldspath und Quarz mit wenigem kleinblättrigen, schwarzen Glimmer. Er ist, einzelne Theile ausgenommen, die grobkörnig sind, fast durchgängig von mittlerem Korn der Hauptgemengtheile und zeigt diese in festem Verbande mit einander. Der Feldspath findet sich in den grössten Individuen. Er ist nach den bekannten Richtungen P und M vollkommen spaltbar und durch Vorherrschen der MFlächen tafelförmig; seine Querschnitte sind, wenn die Bruchfläche des Gesteins parallel der Hauptspaltungsfläche geht, sehr geradkantig, 3 bis 4 Linien, zuweilen 6 Linien lang und 1 1/2 bis 2 Linien breit; er ist offenbar der zuerst krystallisirte Gemengtheil des Granits. Die Krystalle sind meistens einfach, zuweilen nur mit einem andern nach dem Gesetze der Karlsbader Zwillinge regelmässig verbunden. Der Feldspath ist in dünnen Splittern fast wasserbell, halbdurchsichtig und von starkem Perlmutterglanz. Er enthält in gewissen Richtungen einen eigentümlichen Schiller durch kleine eingemengte Krystalle, die aber so klein sind, dass sie auch im Mikroskop bei 360 maliger Vergrösserung ihrer Form nach nicht bestimmt werden können.