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Vorläufige Notizen über die bei dem Vesuvausbruch, April 1872, gefundenen Mineralien von Herrn Scacchi.

Scacchi

Kurzfassung

In Bomben des letzten Ausbruches, die aus zweifellos recent gebildeten Gesteinen bestehen und mit neuer Lava umhüllt sind, finden sich oft rothe, zerfliessliche, ein- und einaxige Krystalle, Erythrosiderit. Sie bestehen aus Chlorkalium, Eisenchlorid und Wasser nach der Formel 2 Ka Cl + Fe2 Cl3 + 2aq. Zum Kremesit, Kenngott, NH4 Cl + K Cl + Fe2 Cl3 + 3aq. gehören vielleicht einige rothe Sublimate, die sich neben Salmiak auf Schlacken der Lava von S. Sebastiano befanden. Chlorocalcit. In den Bomben des letzten Ausbruches ist Chlorcalcium häufig. Eine sehr grosse, auf der Lava bis nach Massa di Somma fortgeführte Bombe enthält viele etwas durchsichtige, bisweilen violettgefleckte, sehr zerfliessliche, grösstentheils aus Chlorcalcium bestehende Krystalle, welche entweder Würfelflächen oder daneben Oktaëder- oder Rhombendodekaëderflächen zeigen. Die Analyse dieser Krystalle ergab 58,76 pCt. Chlorcalcium, der Rest bestand aus Chloriden von Kalium, Natrium und Mangan. Wasserfreies Chlorcalcium und Chlormangan, die man nicht in künstlichen Krystallen kennt, sind also isomorph mit Chlorkalium und Chlornatrium. Bei diesem Ausbruche hat sich, wie auch bei früheren, unter den Emanationen des Vesuvs freier Fluorwasserstoff gefunden. Die durch die Fumaroien zersetzten und stark nach Salzsäure riechenden Schlacken hauchen neben der Salzsäure fast immer auch Flusssäure aus. Legt man diese Schlacken in verschlossene Gläser und stellt daneben in Uhrgläsern Kalikarbonat auf, so findet man in wenig Tragen die die Glasgefässe corrodirt und das Karbonat zum grössten Theil in Chlor- und Fluorkalium umgewandelt.