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Ueber die Zusammensetzung des Epidots und Zoisits

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Vor 25 Jahren hat Hermann in einer Arbeit über den Epidot behauptet, dass alle Abänderungen dieses Minerals bei starkem Glühen 2 pCt. Kohlensäure verlieren. Bald darauf hatte, ich Gelegenheit, es zu bestätigen, dass der Epidot von Arendal in der Glühhitze einen Verlust von 2 pCt. erleidet, und überzeugte mich später, dass dieser Verlust grösstentheils in Wasser besteht. Im Jahre 1855 publicirten Stockar-Escher, Scheerer und Richter eine Reihe von Epidotanalysen, und hatten dabei gleichfalls jenen Glühverlust von 2-2,4 pCt. beobachtet, den sie für Wasser erklärten, da ein Entweichen von Kohlensäure nicht nachweisbar war. Die Kenntniss des Epidots wurde durch die Frage nach der Oxydationsstufe des Eisens bedingt, denn während Hermann behauptete, Eisenoxydul sei immer neben Eisenoxyd vorhanden, vermochte ich jenes in dem Epidot von Arendal nicht nachzuweisen, fand zwar in dem geglühten Mineral kleine Mengen desselben, hielt sie aber für das Resultat der Wirkung reducirender Gase beim Glühen, und bewies, dass ein bedeutender Gehalt an Eisenoxydul, wie ihn Hermann z.B. in dem Epidot von Achmatowsk gefunden hatte, von beigemengtem Magneteisen herrühre. Eine Berechnung der vorhandenen Analysen ergab den Sauerstoff von Kalk, Thonerde (Eisenoxyd) und Kieselsäure im Mittel = 1 : 2,2 : 2,9, so dass das nächste und einfachste Verhältniss 1 : 2 : 3 und die schon von Berzelius aufgestellte Formel des Epidot als eines Singulosilikats 3 Ca2 Si O4 + 2 R2 Si3 O1 2 gerechtfertigt erschien. Das von Scheerer und Stockar-Escher angenommene Verhältniss von 1 : 2 1/4 : 3 = 4 : 9 : 12, aus den Analysen der Genannten abgeleitet, würde für das Mineral keinen einfachen Ausdruck erlaubt haben. Ein geringer Wassergehalt in Silikaten ist früher wohl immer als secundär, als Folge einer beginnenden Umwandlung betrachtet worden. Nach den Erfahrungen jedoch, welche man am Turmalin, Glimmer u. s. w. gemacht hat, und bei der Bedeutung, welche die Atomäquivalenz oder Werthigkeit der Elemente für die heutige Anschauungsweise von der Constitution der Verbindungen erlangt hat, ist das in starker Hitze frei werdende Wasser ein Product aus dem Wasserstoff der Verbindung. Als ich vor einiger Zeit den schönen Epidot vom Sulzbachthal untersuchte, glaubte ich darin eine Bestätigung für die alte zuvor erwähnte Formel gefunden zu haben.