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Auf dem Weg nach Caracoles, Bolivien

Lübbren

Kurzfassung

Gegen Ende des Jahres 1871 herrschte in Chile grosse Aufregung über die im April 1870 entdeckten Silberminen von Caracoles in Bolivia. Caracoles liegt in 9500-10000 Fuss Meereshöhe. Die Berge bestehen aus Thon-, Mergel- und Kalkschichten, von Porphyr durchbrochen. Die Oberfläche ist meist mehrere Fuss dick mit Gyps, Sand und losem Conglomerat bedeckt, was die Auffindung der Gänge sehr erschwert. Die Schwierigkeiten nach Caracoles zu gelangen waren enorm. Ein sandiger, 45 Leguas langer Weg, kein Tropfen Wasser, weder in Caracoles noch unterwegs, kein Stück Brennholz, keine Spur von Vegetation, die grauenvollste Wüste, die ich je gesehen habe. Nicht einmal Raubvögel sieht man, obgleich Tausende von todten Maulthieren am Wege lagen. Das Klima ist abscheulich, wenn auch vielleicht nicht geradezu ungesund. Mitten im Sommer hatten wir Morgens von 8-11 Uhr unerträgliche Sonnenhitze, dann kam ein Wind von der Küste her, der oft so stark wurde, dass man sich nur mit genauer Noth auf dem Pferde halten konnte, besonders auf den höheren Bergen. Der Wind legte sich gegen Abend, aber von Mitternacht bis früh wehte er so aisig von der Cordillera her, dass man sich kaum dagegen schützen konnte. Dabei ist die Luft so trocken, dass die Haut Risse bekommt und die Fingernägel abbrechen. Aber die neue Einwanderung von Chile verachtete alle Schwierigkeiten. Ich ging zuerst nach Mejillones, dem besten Hafen der Küste; die grosse, nach Norden hin offene Bucht, gegen Süden durch eine Vorgebirge geschützt, zeigt Jahr aus Jahr ein die spiegelglatte Fläche eines Landsees, aber ringsum nur nackte Felsen und wüste Sandablagerurigen.