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Vulkane in Ecuador

Wolf, Theodor

Kurzfassung

Meine letzten grossen Ferien verliefen leider ganz fruchtlos für die Geologie. Schon im Juni hatte ich meine Vorbereitungen zu einer grossen, viermonatlichen Reise an den oberen Amazonenstrom getroffen. Ich wollte über Canelos an den Rio Napo, diesen herunter bis an den Amazonas, sodann an der peruanischen Grenze bis zur Mündung des Rio Pastassa aufwärts schiffen, endlich auf dem letzten Flusse nach Macas zu dem Vulkan Sangay, und von da wieder aufs Hochland von Riobamba vordringen. Schon war der Tag der Abreise bestimmt; da warf mich eine hartnäckige Dissenterie auf drei Monate aufs Krankenbett. Am Ende September war ich kaum so weit hergestellt, dass ich die Vorlesungen beginnen konnte. Da ich nun aus Gesundheitsrücksichten und aus Mangel an Zeit seit dem Anfange des Schuljahres auf geognostische Excursionen verzichten musste, suchte ich auf andere Weise der Wissenschaft zu dienen. Ich bin nämlich schon seit mehreren Monaten damit beschäftigt, Material zu sammeln für eine Chronik der vulkanischen Erscheinungen und Erdbeben in Ecuador seit der Zeit der Conquista bis auf unsere Tage. Die hiesigen alten Archive gaben mir wichtige Aufschlüsse. Es ist da viel mehr zu berichtigen als ich anfangs dachte. Durch Velasco und besonders durch Humboldt wurden viele irrige Angaben verbreitet. Da sich nun daran weitgehende Schlüsse über Synchronismus, Antagonismus etc. jener Ereignisse knüpfen, schien mir eine kritische Zusammenstellung nicht unwichtig. - Auch an die Bestimmung der Fossilien von Punin habe ich mich gemacht; aber freilich zur Vollendung dieser Arbeit bedürfte ich eines osteologischen Cabinets oder wenigstens grosser osteologischer und paläontologischer Werke. Beide fehlen mir bis jetzt noch. Mehrere Species konnte ich jedoch sicher als neue bezeichnen. So z.B. ist unser quaternäres Pferd ganz eigentümlich; von zwei Hirscharten erreichte eine fast die Grösse des Pferdes, ein wahrer amerikanischer Riesenhirsch. Ein neues fossiles Gürtelthier (Dasypus) war doppelt so gross, als die grössten jetzt hier lebenden. - Jetzt da meine Gesundheit wieder fest ist, hoffe ich auch bald wieder einige Arbeiten im Freien auf den Gebirgen unternehmen zu können.