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Die mineralogische Abteilung des British Museum

v. Rath, Gerhard

Kurzfassung

Von meinem Londoner Aufenthalt bin ich sehr befriedigt nach genau vierzehntägiger Abwesenheit zurückgekehrt. Da ich zum ersten Male jenseits des Kanals war, so war mein Erstaunen und Interresse für alles Neue gross. Einigermassen gründlich gesehen habe ich nur die mineralogische Abtheilung des British Museum, welche freilich meine hochgespannten Erwartungen noch weit übertroffen hat. Bei Herrn Story-Maskelyne fand ich die zuverkommenste ja freundschaftlichste Aufnahme. Vielleicht nehme ich seine Einladung, dem Studium der dortigen Sammlung einige Wochen oder Monate ausschliesslich zu widmen, in einem der nächsten Jahre an. Die Schätze dieses Theils des British Museum wurden bis jetzt kaum ausgebeutet. Maskelyne beschäftigte sich vorzugsweise mit Meteoriten, wozu freilich die reiche Sammlung besonders auffordert. Mit grösstem Interesse sah ich den Bustistein mit rothen Körnern von Schwefelcalcium (Oldhamit) und goldglänzenden Punkten, welche wahrscheinlich Schwefelzirkonium sind (Osbornit). Auch zeigte mir Maskelyne den Manegaurn-Stein, welcher gar nicht zu unterscheiden ist von Ibbenbühren. Fast noch mehr interessirte mich der Breitenbach-Meteorit mit Enstatit und der merkwürdigen neuen Form der Kieselsäure, welcher Maskelyne jetzt den Namen Asmanit gegeben. Diese Kieselsäure bildet gerundete Körner, an welchen zuweilen, doch nur selten, einzelne Facetten wahrnehmbar sind; vollkommen ähnlich der Krystallisation der Pallas-Olivine. Diese Körner, und was ich an ihnen von Flächen sah, zeigen durchaus keine Aehnlichkeit mit dem Tridymit und noch weniger mit Quarz. Maskelyne hat in seiner Abhandlung: The Breitenbach Meteorite, Proc. Roy. Soc. 1871, die Form des Asmanit's als rhombisch bestimmt. Es scheint demnach die Kieselsäure in drei Formen wirklich vorzukommen. Ich erhielt durch Maskelyne's Güte eine geringe Menge des Asmanit's (fast nur unregelmässig begrenzte Bruchstücke jener gerundeten Körner), von welcher ich Dir bald einen Theil senden werde. Ich fand unter den Fragmenten gestern ein Korn (1/2 Mm. gross), mit einigen glänzenden Flächen, doch ging es leider durch einen unglücklichen Zufall, als ich es grade an's Goniometer befestigt hatte, verloren. Im British Museum sah ich so herrliche Mineralien, dass es kaum möglich ist, Einzelnes hervorzuheben. Es befindet sich in jener unzweifelhaft ersten Sammlung der Welt nicht ein einziges Stück, welches nicht von ausgezeichneter Schönheit wäre.