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Vorläufige Mittheilung über Fructificationen der fossilen Calamarien

Weiss, E.

Kurzfassung

Man ist bekanntlich in neuerer Zeit von Seiten der Phytopalaeontologen vielfach bemüht gewesen, die im Ganzen nur selten vorkommenden Fruchtorgane der fossilen Pflanzen einer eingehenderen Untersuchung zu unterziehen und ihnen Antheil an der Classification der Gewächse zuzugestehen. Selbstverständlich beansprucht ein jeder gute Fund dieser Art ein ganz vorzügliches Interesse. Von erhöhter Wichtigkeit würde es sein, die Organisation der Fruchtorgane bei den Repräsentanten der älteren Floren kennen zu lernen, da gerade diese durch Pflanzen gebildet werden, welche oft so sehr von den lebenden sich entfernen, dass über die wichtigsten Gattungen noch keine Einstimmigkeit der Ansichten bezüglich ihrer systematischen Stellung erzielt worden ist. Aber eben hier fehlt es an hinreichend umfänglichen und zuverlässigen Beobachtungen, woran ausser der Seltenheit des Vorkommens von Fruchtorganen ihre gewöhnlich ungünstige Erhaltung ganz vorzüglich Schuld ist. Auch ältere Forscher, wie Brongniart, Sternberg und deren Vorläufer haben Früchte und Fruchtstände verschiedener Art bereits kennen gelehrt, aber die Einsicht in deren feinere Organisation blieb lange verschlossen und oft wusste man die Früchte nicht bestimmt mit den zugehörigen Axen und Blattorganen in Beziehung zu bringen, weil beide meist getrennt, nicht mehr in unmittelbarem Zusammenhange gefunden werden. Zwar hat zuerst Brongniart die naheliegende Methode angewendet, solche Pflanzenreste, welche zusammenliegend gefunden werden, auch auf dieselbe Art zu beziehen, wenn anders ihre Organisation es als zulässig ergiebt; allein mehr Befriedigung ohne Zweifel verschafft es, wenn es möglich wird, den vermutheten oder nicht vermutheten Zusammenhang der verschiedenen Theile unmittelbar zu beobachten. Die Litteratur weist gar zu viele Fälle auf, wo die geistreiche Brongniart'sche Combinationsmethode doch zu irrthümlichen und lange Zeit fest haftenden Auffassungen geführt hat. Jede Aufklärung nach dieser Richtung ist daher mit Freuden zu begrüssen, sollten auch alte liebgewordene Vorstellungen den neuen weichen müssen.