Original paper

Ueber die Eruptivgesteine des Vicentinischen

von Lasaulx, A.

Kurzfassung

Das Gebiet erloschener vulkanischer Thätigkeit, welches den südlichen Fuss der venetianischen Alpen säumt, zeigt schon durch seine Lage, dass diese Vulkane in der Zeit ihrer Eruptionen zum Theil insulare, zum Theil littorale gewesen sind. Die weite Ebene zwischen Venedig und Bologna schob sich in der allerjüngsten geologischen Vergangenheit trennend zwischen dieses Gebiet und das adriatische Meer, der ganze Boden derselben besteht nur aus den mächtigen Alluvionen der Flusse Brenta, Etsch und Po, die ihre Delta's immer weiter in das Meer hinausbauen. Das grösste Interesse bei dem Studium jener vulkanischen Districte knüpft sich an den vulkanischen Zusammenhang vulkanischer und sedimentärer Bildungen, die hier den durch die Lage angedeuteten Charakter jener Vulkane auf das Vollkommenste bestätigen. Die innige Verknüpfung der mannichfachsten, vorherrschend kalkigen Schichten dieses Gebietes, bald Süsswasser-, bald Meeresversteinerungen führend, mit den vulkanischen Tuffen giebt einerseits ein treffliches Mittel an die Hand, das Alter der Eruptionen zu erkennen, andererseits zeigt sich dadurch auf das Bestimmteste, dass zwischen den einzelnen Perioden der vulkanischen Thätigkeit lange Zwischenräume verflossen sein müssen, die es ermöglichten, dass die physikalischen Verhältnisse sich so ändern konnten, um einmal Meeres- und dann wieder Landesfaunen mit den vulkanischen Tuffen vergesellschaftet erscheinen zu lassen. Diese paläontologische Ausbildung war auch der Gegenstand, der weitaus die meisten früheren Forscher in jenem Gebiet beschäftigte. Kaum ein zweites Tertiärgebirge kann sich an Mannigfaltigkeit der Ablagerungen, an Reichthum von Fauna und Flora mit jenem von Vicenza vergleichen.